Freitag, 18.09.2015

12:00 - 13:30

C211

S18-10

Session Quartier

Moderation: U. Otto, Zürich/CH

12:00

U. Otto; G. Steffen1; P. Klein1; L. Abele1 Careum Forschung, Gesundheit, Kalaidos Fachhochschule, Zürich/CH; 1 Institut für Stadtplanung und Sozialforschung, Weeber+Partner, Stuttgart;

S18-10-01 

Älter werden in München. Eine Studie in fünf Siedlungstypen

AUSGANGSLAGE: Die Bev.-prognosen sprechen für sich. München ist von Zuzug geprägt. Die Zahl der Hochbetagten (75+) wird bis 2030 um 40% auf 140.000 steigen. Die zukünftigen Altersgenerationen werden sich von den heutigen stark unterscheiden:
• hinsichtlich der Lebensstile und -lagen,
• der Familienstrukturen,
• des Mobilitäts- und Freizeitverhaltens
• der zunehmenden Heterogenisierung der Bevölkerung durch internat. Zuwanderung. FOKUS: Die Studie untersucht die vielfältigen Facetten großstädtischen Älterwerdens und die dabei entstehenden Bedürfnisse an den Stadtraum, das Wohnen und das soziale Umfeld in München. Sie berücksichtigt ebenso die Herausforderungen der besonders hohen Entwicklungsdynamik mit ihrem mehrdimensionalen Verdrängungswettbewerb (bspw. auf dem Wohnungsmarkt) wie die sprichwörtl. Münchner Lebensqualität und -art. Im Mittelpunkt stehen die Wünsche und Vorstellungen der heute 55-64-Jährigen. Ziel sind konkrete Vorschläge für die Ausgestaltung der Lebenswelten der zukünftigen Älteren. Dabei sind auch neue Lösungsansätze gesucht, die für andere Gemeinden von Nutzen sein können. STICHPROBE/METHODEN: Neben den „Babyboomern“ sollen zum Vergleich die 65-75- Jährigen einbezogen werden. Kernstück ist eine standardisierte Befragung mit rund 10.000 Fragebögen. Die Ergebnisse werden mit Sekundärdaten aus einschlägigen Münchner Befragungen/ Statistiken gespiegelt. Ausserdem werden qualitative Interview-Verfahren u.a. mit Blick auf schlechter erreichbare Teilgruppen eingesetzt. Zugleich werden sie i.S. des beteiligungsorientierten Studiendesigns genutzt. SPEZIFISCH FÜR DIE STUDIE IST
• die sozialräumliche Anlage mit Fokus auf 10 Stadtteile in 5 untersch. Quartierstypen,
• das Mehrmethodendesign mit zugleich aktivierenden Elementen,
• die Zentrierung auf die Babyboomer-Generation, verbunden mit der
• prospektiven Fragerichtung: wie können wir uns heute darauf vorbereiten, dass diese ressourcenreiche Gruppe deutlich anders altern wird und ihr Altern gestalten möchte als bisherige Kohorten? AUFTRAGGEBER der Studie ist die LHS München zus. mit der Obersten bayr. Baubehörde. Im Forschungsteam kooperiert das Institut Weeber+Partner (Stgt) mit dem Kompetenzzentrum Generationen der FHS St. Gallen. DER VORTRAG präsentiert erste Auswertungen der Studie.

12:20

B. Wolter
Institut für gerontologische Forschung e. V., Berlin;

S18-10-02 

Wohnbedingungen und Teilhabechancen im Quartier – Die Perspektive älterer Menschen mit Migrationshintergrund und Unterstützungs- bzw. Pflegebedarf

Der Beitrag setzt sich mit der Bedeutung des Quartiers für ein gesundes, selbstbestimmtes Leben im Alter auseinander. Ältere Menschen orientieren mit abnehmender Gesundheit ihre Aktionsräume zunehmend auf das Wohnumfeld, das damit an Bedeutung für die Bewältigung des Alltags und für die soziale Teilhabe gewinnt. Die Angebotslandschaft im Quartier und das sozialräumlich ausgerichtete Engagement der Akteure beeinflussen ebenso die Chancen auf ein gutes Leben im Alter, wie die Qualität der öffentlichen Räume und der Zusammenhalt der Nachbarschaft. Insbesondere alte Menschen mit geringen ökonomischen Ressourcen und eingeschränkter Mobilität sind auf Angebote in ihrem Wohnumfeld angewiesen. Eine Gruppe, die hier bislang nur wenig im Fokus der Aufmerksamkeit stand, sind ältere Menschen mit Migrationshintergrund und Unterstützungs- bzw. Pflegebedarf. Ein neues Forschungsprojekt des Instituts für Gerontologische Forschung e. V. untersucht die Wohn- und Teilhabemöglichkeiten bzw. –bedarfe von Angehörigen dieser Zielgruppe mit türkischen und arabischen Wurzeln. Die qualitative Studie wird exemplarisch in einem innerstädtischen Berliner Quartier durchgeführt. Der Beitrag stellt das methodische Vorgehen und erste Ergebnisse vor und diskutiert vorläufige Schlussfolgerungen.

12:40

A. Beyer; S. Kamin; F. R. Lang
Institut für Psychogerontologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg;

S18-10-03 

Wohnzufriedenheit und soziale Nachbarschaft - längsschnittliche Betrachtung in urbanen Quartieren

Eine Vielzahl von Studien zeigt, dass ältere Menschen eine hohe Wohnzufriedenheit aufweisen und dass Wohnzufriedenheit sowohl von objektiven Wohnbedingungen als auch individuellen Personenmerkmalen abhängt. Bekannt ist zudem, dass die Nachbarschaft mit zunehmendem Alter für viele Menschen wichtiger wird. Nur wenig bekannt ist allerdings, wie sich das emotionale Erleben von Nachbarschaft im Alter auf die Veränderungen der Wohnzufriedenheit auswirkt. Hat das Erleben von Unterstützung, Ärger oder Verbundenheit in der Nachbarschaft einen Einfluss auf den Verlauf der Wohnzufriedenheit über einen Zeitraum von zwei Jahren? Im Rahmen des vom BMBF geförderten Projektes „EMN-Moves – die Metropolregion Nürnberg macht mobil“ wurden im Zeitraum von 2012 bis 2014 drei postalische Befragungen bei Bewohnern (60+) in urbanen Stadtquartieren durchgeführt. Der Abstand zwischen den Befragungen betrug jeweils 12 Monate. Die Basisstichprobe (t1) umfasste N = 149 Personen Der Altersmittelwert lag bei 71.8 Jahren (SD = 7.61; Range: 60-92) und etwa 42 % der Befragten sind männlich. Die Wohndauer in der aktuellen Wohnung variierte zwischen einem und 51 Jahren (M = 22.6 Jahre, SD = 19.34). Die Wohnzufriedenheit der Befragten wurde auf einer 11-stufigen Skala (0 bis 11) erfasst und betrug zu t1 MW = 8.01 (SD=2.50). Zur Erfassung des Erlebens der sozialen Nachbarschaft wurde der Multidimensional Measure of neighboring (MMN) eingesetzt. Erste Befunde weisen auf einen Einfluss des nachbarschaftlichen Ärgers und der nachbarschaftlichen Verbundenheit auf die Wohnzufriedenheit über alle Messzeitpunkte hin: die Verbundenheit ist positiv und der nachbarschaftliche Ärger negativ mit der Wohnzufriedenheit korreliert. Die nachbarschaftliche Unterstützung sowie die Qualität der Bekanntschaftsbeziehungen (weak ties) erweisen sich dabei als wenig bedeutsam für die Wohnzufriedenheit. Die Befunde legen nahe, dass die Wohnzufriedenheit älterer Menschen in hohem Maße von positiven emotionalen Erfahrungen in der Nachbarschaft abhängt. Dies hat wichtige Implikationen für die Gestaltung der Wohn- und Lebensverhältnisse im Alter.

13:00

U. Otto; L. Abele1; P. Klein1; G. Steffen1
Careum Forschung, Gesundheit, Kalaidos Fachhochschule, Zürich/CH; 1 Institut für Stadtplanung und Sozialforschung, Weeber+Partner, Stuttgart;

S18-10-04 

Die 55-74-Jährigen in den unterschiedlichen Quartierstypen der Großstadt München

Zu Themenstellung und Hintergrund München wächst, ist eine vergleichsweise untypisch junge Stadt und hat eine hohe Veränderungsdynamik. Außerdem weist sie einen hochprekären Wohnungsmarkt und hohe soziale Ungleichheit auf. Vor allem Jüngere ziehen zu, Ältere ziehen weg. Aber auch hier wird die Zahl der Alten und Hochaltrigen in den nächsten zwei Jahrzehnten stark wachsen. Wer und wie sind die dann Alten und Hochaltrigen?
Die LHS München wollte wissen, ob und wie sich die heranwachsende Generation Älterer – einschließlich der „Babyboomer“ – von der heutigen unterscheidet und welche Konsequenzen dies für die verschiedenen Handlungsfelder der Stadtentwicklung, -planung und -politik hat.
Zur Studie und ihren Methoden Im Auftrag der Stadt München sowie der Obersten Baubehörde Bayern haben Weeber+Partner und Careum Forschung 2013-15 eine große Studie zu vielen Aspekten des Älterwerdens in München durchgeführt. Dazu wurden bewusst elf unterschiedliche Quartiere ausgesucht, die für fünf unterschiedliche Quartierstypen stehen.
Diesen Quartierstypen liegen unterschiedliche städtebauliche Leitbilder zugrunde. Im Zentrum stand eine standardisierte schriftliche Befragung von 10.000 Haushalten, 2.750 Fragebögen konnten ausgewertet werden.
Daneben fanden umfangreiche Experteninterviews, Stadtteilbegehungen, Stadtteilspaziergänge, Quartiersforen sowie Zielgruppenforen statt.
Ergebnisse und Vortragsfokus Die Studie macht deutlich, wie das Älterwerden der Babyboomer (55-64-Jährige) und der etwas Älteren (65-74-Jährige) sich kleinräumlich im Stadtviertel unterschiedlich gestaltet – und wie städtebauliche ebenso wie sozial-kulturelle Merkmale dabei ineinander greifen.
Im Zentrum dieses Vortrags stehen Wohnbedingungen, Wohnzufriedenheit und Wohnbedürfnisse sowie das Thema Wohnmobilität (freiwillige bzw. erzwungene Mobilität, Umzugswünsche bzw. –notwendigkeiten. Teilthemen beziehen sich dabei auf die Zusammenhänge zwischen Wohnung, Wohnumfeld und Quartier, auf sozial- und stadträumliche Aktivitäts- und Netzwerkmuster, auf Wünsche bzgl. innovativer u.a. gemeinschaftlicher Wohnformen.
Es werden einerseits ausgewählte Daten präsentiert, sowie Schlussfolgerungen mit Blick auf prospektive Fragen gezogen – auf die neuen empirischen München-Ergebnisse abgestützt, aber zugleich mit Bezug auf eine große Bandbreite der aktuell diskutierten gerontologischen Herausforderungen. Dabei werden teilweise Bezüge zu anderen Studien zum Älterwerden und Wohnen in der Großstadt (bspw. Wien, Zürich) herangezogen.
(Abgrenzung: Der vorliegende Vortrag bezieht sich wie Vortrag A1505/1001 auf die o.g. Münchenstudie. Während der vorliegende Vortrag aber auf den Themenbereich Wohnen, Wohnumfeld, Sozialraum, Quartiers- bzw. Siedlungstyp fokussiert, geht es im anderen Vortrag vorrangig u.a. um Soziale Netzwerke, Ge-sundheit und Lebenslagen, Beratung, Unterstützung und Pflege).

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