Freitag, 18.09.2015

09:30 - 11:00

C211

S18-04

Session Lebenslagen

Moderation: A. Hedtke-Becker, Mannheim

09:30

K. Haga
Deutsches Institut für Japanstudien, Tokio/J;

S18-04-01 

Orte zum Lernen für eine lange Erwerbstätigkeit: verschiedene Varianten anhand von experimentellen Versuchen in Japan

Eine Herausforderung des demographischen Wandels ist der Rückgang der Zahl der Arbeitskräfte. Längere Erwerbstätigkeit bis zu einem höheren Alter wird wirtschaftspolitisch erwartet. Ältere Menschen sind heute in besseren körperlichen und kognitiven Konditionen als zu dem Zeitpunkt, zu dem die gegenwärtig noch praktitierten und regulierten Vorgaben entstanden; viele ältere Menchen haben auch den Wunsch, weiter noch einen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. Das Berufsleben als Angestellte geht heutzutage über die konventionelle Vorstellung über die zeitliche Länge hinaus in ein höheres Alter. Ein kritischer Punkt ist die Einstellung zum Berufsleben. Ältere Angestellte sollten ihre Einstellung zu ihrem Berufsleben an ihre verlängerte Lebensspanne anpassen. Wer schafft Möglichkeiten und Orte für sie zur Umstellung für ein längeres Berufsleben? Dieser Beitrag untersucht diese Frage anhand von Interviews und teilnehmenden Beobachtungen in Japan. Japan macht das Problem mit dem Umdenken von älteren Angestellten deutlich, weil die Bedürfnisse für Umorientierung deutlicher und nachhaltiger angesprochen werden. Viele wollen nach dem Erreichen der betrieblichen Altersgrenze berufstätig bleiben, aber nicht alle können bei der Firma bleiben und müssen nach einer anderen Stelle suchen. Viele stoßen wegen ihrer konventionellen, überholten Einstellung zur Arbeit trotz ihren Kompetenzen auf massive Schwierigkeiten. Eine Lösung wird gesucht, und verschiedene Experimente werden durchgeführt, damit ältere Angestellte ihrem Wunsch besser nachgehen können. Aus den Beobachtungen wurde herausgefunden, dass eine Reflexion über das Ziel, die Vision des Berufslebens und die Kernkompetenz für ein langes Berufsleben und Training zu einer selbständigen (lebenslangen) Erwerbsperson essentiell und wichtig sind, damit ausgeschiedene Angestsellte ihr weiteres Berufsleben mit Erfolg und Zufriedenheit gestalten. Langfristig sollte der Karriereplan an ein längeres Berufsleben angepasst werden. Sowohl Unternehmen als auch Universitäten scheinen hierzu Anbieter von Trainingsprogrammen sein zu können. Ob eine Marktlösung hierfür realistisch ist, ist im Augenblick eine offene Frage.

09:55

C. Tesch-Römer; S. Nowossadeck; J. Simonson; O. Huxhold
Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin;

S18-04-02 

Regionale Disparitäten und die Lebenssituationen älterer Menschen: Befunde aus dem Deutschen Alterssurvey

Einleitung: Menschen leben in räumlichen Kontexten und werden dort alt. In diesem Beitrag wird untersucht, welchen Einfluss der Lebensort auf das Befinden und die Aktivität alter Menschen hat. Als räumlicher Kontext wurde die Ebene der (Land-)Kreise und kreisfreien Städte gewählt. Zum einen sind dort wesentliche Infrastrukturen für das Leben im Alter zu finden, zum anderen existiert auf dieser Ebene die umfangreichste Datenbasis räumlicher Indikatoren.
Methode: Für die Beschreibung räumlicher Disparitäten wurden Indikatoren des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) verwendet. Neben Einzelindikatoren (z.B. Bevölkerungsdichte) wurden auch Indices (z.B. German Index of Multiple Deprivation) und Regionstypen verwendet. Individualdaten stammen aus dem Deutschen Alterssurvey (DEAS), einer bundesweit repräsentativen, aus Mitteln des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) geförderten Quer- und Längsschnittbefragung von Personen in der zweiten Lebenshälfte (40 Jahre und älter). Die teilnehmenden Personen werden seit 1996 umfassend zu ihrer Lebenssituation befragt.
Ergebnisse: Querschnittliche Analysen zeigen, dass Menschen in der zweiten Lebenshälfte, die in stärker deprivierten Regionen leben (geringe Wirtschaftskraft, hohe Arbeitslosigkeit, geringeres Durchschnittseinkommen), schlechtere funktionale und subjektive Gesundheit, höhere Depressivität und geringere soziale Teilhabe berichten als Menschen, die in Vergleichsregionen mit geringer Deprivation leben. Im Längsschnitt zeigt sich, dass die Stabilität von sozialer Teilhabe in wirtschaftlich prosperierenden Regionen höher ist als in wirtschaftlich weniger wohlhabenden Regionen. Zudem zeigt sich, dass die Entwicklung sozialer Aktivitäten vom regionalen Angebot an Interaktionspartnern beeinflusst wird.
Diskussion: Ältere Menschen, die in wirtschaftlich benachteiligten Regionen leben, sind zweifach von regionaler Ungleichheit betroffen. Zum einen leben sie in Regionen, die aufgrund einer wechselseitigen Verstärkung von Strukturschwäche und demografischer Alterung nur wenige Möglichkeiten haben, über Pflichtaufgaben hinaus Infrastrukturen und Dienstleistungen anzubieten. Zum anderen haben ältere Menschen in diesen Regionen höheren individuellen Unterstützungsbedarf und verfügen in geringerem Maße über soziale Unterstützungspotenziale und Selbsthilferessourcen als ältere Menschen in wirtschaftlich und strukturell stärkeren Regionen.

10:20

S. Ehret
Institut für Gerontologie, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, Heidelberg;

S18-04-03 

Jung trifft Alt: Intergenerationelle Beziehungen im öffentlichen Raum von Schule und Quartier

Beziehungen zwischen den Generationen werden heutzutage nicht mehr unbedingt unter dem Stichwort Generationenkonflikt sondern eher der Generationendistanz diskutiert. Experten aus der Praxis sprechen von einem zunehmenden Auseinanderdriften der Generationen in eigene Lebenswelten. Im Projekt Echo der Generationen werden intergenerationelle Beziehungen zwischen jungen und sehr alten Menschen initiiert. Hierfür wurde konsequent auf Grundlagenwissen zurückgegriffen und dies in Lebensweltkontexte und Lebensorte im Quartier transportiert. In zwei Modellkommunen sollen durch begleitete themenzentrierte Begegnungen individuelle Kontakte in Dyaden zwischen SchülerInnen von 12-18 Jahren und hochaltrigen Menschen, die Kompetenz und Erfahrung an Jüngere weitergeben möchten, hergestellt werden. Hierfür wurden Lebensentwürfe von jungen Menschen und entsprechende Biographien Hochaltriger in Passung gebracht. In einem anderen Quartier wird ein öffentlicher Raum des Spiels von Jung und Alt untersucht. Der Vortrag widmet sich zunächst der Projektkonzeptionierung und Methodik. Die Forschung im Feld wird durch teilnehmende Beobachtung, eine Tagebuchstudie und psychometrische Fragebögen unterstützt. Die wissenschaftliche Analyse untersucht das Band zwischen den Generationen im Kontext von Spiel, Sprache und Lebenswelt, ein Band an dessen beiden Enden Entwicklungsprozesse von Jung und Alt befördert werden sollen. Erste Ergebnisse zum Altersbild junger Menschen, zu den Möglichkeiten der Spezifizierung guter fördernder Bedingungen in den Interaktionsdyaden sowie zur psychologischen Interaktion im Spiel werden diskutiert.

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