Freitag, 18.09.2015

12:00 - 13:30

C212

S18-09

Session Gesundes Altern

Moderation: E.-M. Kessler, Heidelberg

12:00

M. Diegelmann; H.-W. Wahl; C.-P. Jansen; K. Claßen; O. Schilling; K. Hauer1 Abteilung für psychologische Alternsforschung, Psychologisches Institut und Netzwerk Alternsforschung, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, 1 Geriatrisches Zentrum am Klinikum der Universität Heidelberg, Agaplesion Bethanien-Krankenhaus, Heidelberg;

S18-09-01 

Depressive Symptomatik, Alltagskompetenz und Kontrollüberzeugungen bei Pflegeheimbewohnern

Depressive Symptome sowie Einschränkungen in basaler (BaCo) und erweiterter (ExCo; siehe Baltes et al., 1993, für die Differenzierung) Alltagskompetenz sind prävalent bei Pflegeheimbewohnern. In ihrem behavioralen Modell der Depression im Pflegeheim-Kontext nehmen Meeks und Depp (2003) Kontrollverlust bei Alltagstätigkeiten als einen Mediator zwischen vorausgehender Bedingung (z.B. verstärkter körperlicher Einschränkung) und verstärkter Depression an. An einer Stichprobe von 191 Pflegeheimbewohnern (M = 83.6 Jahre, SD = 9.4 Jahre) wurde mittels Strukturgleichungsmodellierung untersucht, inwiefern BaCo (maximale Ganggeschwindigkeit) und ExCo (fremdbeurteilte Kontaktaufnahme und Teilnahme an Heimaktivitäten) depressive Symptome der Bewohner (Geriatric Depression Scale) im Querschnitt vorhersagen. Zusätzlich wurde untersucht, inwiefern generalisierte Kontrollüberzeugung den Zusammenhang vermittelt. Ein Viertel der untersuchten Bewohner überschritt den Cut-off klinisch bedeutsamer Symptomatik. Vorläufige Ergebnisse weisen auf die Relevanz von BaCo und ExCo für die Depressivität von Heimbewohnern hin; zusätzlich weisen sie auf die Bedeutsamkeit von Kontrollüberzeugungen als Mediator hin. Je mehr die Bewohner sich im Heim sozial einbrachten (je größer ihre ExCo) und je schneller sie gehen konnten (je größer ihre BaCo), desto geringer waren ihre depressiven Symptome im Querschnitt. Außerdem könnte gelten: Je größer ihre BaCo ist, desto größer ist ihre generalisierte Kontrollüberzeugung und desto geringer sind ihre depressiven Symptome im Querschnitt. Zukünftige Forschung sollte längsschnittlich untersuchen, inwiefern sich Veränderungen der Alltagskompetenz auf depressive Symptome bei Heimbewohnern auswirken.

12:25

J. P. Ziegelmann
Deutsches Zentrum für Altersfragen, Berlin;

S18-09-02 

Gesund älter werden – Potentiale und Herausforderungen

Dieser Beitrag fasst die aktuelle Befundlage zum Thema „Gesund älter werden“ zusammen und benennt in einem zweiten Schritt besondere Potenziale und Herausforderungen. Da die Fundamente für ein gesundes Leben und gute Gesundheit im hohen Alter schon früh gelegt werden, sollte in der Förderung des gesunden älter Werdens kein exklusiver Fokus auf die älteren Menschen gelegt werden, sondern es sollten im Sinne lebenslangen Lernens Menschen aller Altersgruppen angesprochen werden.
Gesundheitliche Eigenverantwortung wird hierbei durch ressourcenförderliche und für alle Lebensalter bedarfsgerecht ausgestaltete Lebensumwelten bestärkt und unterstützt. Altersgerechte Produkte und Dienstleistungen, aber auch eine an den Herausforderungen ausgerichtete Kommunalpolitik tragen zu förderlichen Lebensumwelten und damit zu zukunftsfähigen Gemeinschaften bei.
Während bereits in den letzten Jahren Gesundheitsverhaltensweisen wie gesunde Ernährung und körperliche Aktivität in vielen Programmen zur Gesundheitsförderung im Alter thematisiert wurden, ist die Förderung der Partizipation im Alter noch im Anfangsstadium. Daher wird in diesem Beitrag auch ein Modell zur möglichst breiten Förderung von Gesundheit im Alter vorgestellt.

12:50

V. Cihlar; A. Mergenthaler
Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, Wiesbaden;

S18-09-03 

Subjektive Wahrnehmung des eigenen Ruhestands: Unterschiede und Einflussfaktoren

Fragestellung: Der Eintritt in den Ruhestand stellt einen lebensverändernden Übergang dar. Dies macht es notwendig, das Leben neu zu strukturieren und andere Schwerpunkte auf die eigenen räumlich-sozialen Umwelten zu legen. Diese Veränderungen können vom Individuum positiv oder negativ bewertet werden. Der Beitrag legt dar, (1) inwiefern sich Menschen in ihrer Wahrnehmung des eigenen Ruhestandes unterscheiden, (2) in welchen Bereichen sich die größten Unterschiede bezüglich positiver oder negativer Wahrnehmung zeigen und identifiziert (3) die Faktoren, welche zu einer positiven Wahrnehmung des eigenen Ruhestands beitragen. Methodik: 838 Personen im Alter zwischen 60 und 70 Jahren (M=66,6) wurden clusteranalytisch untersucht und eine positive, eine neutrale und eine negative Wahrnehmungsgruppe identifiziert. Unterschiede in Sozialbeziehungen, Wohlbefinden und Freizeittätigkeiten konnten deskriptiv dargestellt und Gruppenunterschiede berichtet werden. Mit den beiden Extremgruppen der positiven und der negativen Wahrnehmungsgruppe (n=532) durchgeführte logistische Regressionsanalysen (durchschnittliche Marginaleffekte) zeigten Prädiktoren für die Gruppenzugehörigkeit an. Ergebnisse: Aktiv und planend in das eigene Leben zu investieren, einen engen Kontakt zu Enkelkindern zu pflegen sowie Freunden, Bekannten und Nachbarn Hilfen im täglichen Leben zukommen zu lassen, erhöhten die Wahrscheinlichkeit, das eigene Leben nach dem Eintritt in den Ruhestand als positiv zu empfinden. Im Ruhestand erwerbstätig zu sein erhöhte hingegen die Wahrscheinlichkeit, zur Gruppe derjenigen zu gehören, die ihr Leben im Ruhestand vergleichsweise negativ empfinden. Interpretation: Ob das Leben im Ruhestand als positive Veränderung erlebt wird hängt damit zusammen, inwiefern sich jeder einzelne selbst auf diese Phase vorbereitet. Ein sozioemotional tragfähiges Netzwerk an Menschen hilft dabei, den Übergang in die neue Lebensphase zufriedenstellend zu bewältigen.

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