Freitag, 18.09.2015

09:30 - 11:00

C311/12

S18-06

Session Altern im ländlichen Raum

Moderation: F. Oswald, Frankfurt a. M.

09:30

A. S. Esslinger; J. Preckel; I. Schröder
Fachbereich Pflege und Gesundheit, Hochschule Fulda, Fulda;

S18-06-01 

Erfolgsfaktoren von Begegnungsstätten im unterversorgten ländlichen Raum

Der demografische Wandel führt zur Unterversorgung im ländlichen Raum, von der vor allem ältere, weniger mobile Menschen betroffen sind. Mit Hilfe von neuen Konzepten wie z. B. Begegnungsstätten, kann hier eine Versorgung aufrechterhalten werden. Begegnungsstätten werden als ein Ort der Zusammenführung verschiedener Dienstleister und Bürger betrachtet. Zielsetzung des Beitrags ist, die Erfahrungen bei der Ermittlung von Erfolgsfaktoren für Begegnungsstätten hinsichtlich Konzeption und Umsetzung auszuführen. Es wurde untersucht, ob und wie erfolgsversprechend Begegnungsstätten für die Aufrechterhaltung einer Grundversorgung im ländlichen Raum sind. Es sollten Fragen als „Status Quo“ für eine Bedarfsanalyse von unterversorgten Gemeinden generiert werden. Die methodische Vorgehensweise ist zweigeteilt. Auf Basis der Analyse von Best practices konnten Erfolgsfaktoren für Begegnungsstätten ermittelt werden. Anhand der Literatur und Best Practice Analyse wurde ein Gesprächsleitfaden entwickelt und im Pretest erprobt. Die Erfolgsfaktoren "Zielgruppenbezug, Settingansatz, niederschwellige Arbeitsweise, Innovation und Nachhaltigkeit sowie Kosten-Nutzen-Relation" sind zentral für den Erfolg. Anfang 2014 hat sich in Fulda ein interdisziplinärer Arbeitskreis gebildet, der es sich u. a. zum Ziel gemacht hat in der Region Fulda das Konzept der Begegnungsstätten umzusetzen. Im Rahmen dessen ist geplant den entwickelten Gesprächsleitfaden zur Bedarfsanalyse einzusetzen. Im Fazit können Begegnungsstätten für die Aufrechterhaltung der Grundversorgung im ländlichen Raum erfolgsversprechend sein. Voraussetzung ist, dass sich das Dienstleisterangebot optimal am Bedarf der unterversorgtem Bevölkerung orientiert. Durch die Einhaltung der Erfolgsfaktoren, die gleichzeitig als Handlungsempfehlungen anzusehen sind, können Begegnungsstätten erfolgsversprechend aufgebaut und geführt werden.

09:50

R. Rupprecht; A. Dummert; K. Meixner; F. R. Lang
Institut für Psychogerontologie, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Nürnberg;

S18-06-02 

Altern im ländlichen Raum - Spezielle Problemlagen und Bedarfe am Beispiel der Stadt Waldershof

Nach Angaben des statistischen Jahrbuchs (2013) leben ca. 31.1 % (N=18.901.475) der bundesdeutschen Gesamtbevölkerung in eher ländlich geprägten Räumen. Ländliche Räume sind häufig durch ein höheres Durchschnittsalter der Bevölkerung, schlechtere Gesundheitsversorgung, schlechtere Anbindung an den öffentlichen Verkehr und Abwanderung der jüngeren Generation etc. gekennzeichnet. Ob solche Strukturmerkmale Auswirkungen auf die Lebensqualität der älteren Bevölkerung haben, wird in der gerontologischen Forschung seit Jahren (zum Teil kontrovers) diskutiert. Im Mittelpunkt der vorliegenden Studie steht deshalb die Frage, welche speziellen Problem- und Bedarfslagen sich bei der Bevölkerung 60+ am Beispiel der Kleinstadt Waldershof (4.320 Einwohner) identifizieren lassen. In einem Mixed-Method-Design wurden Fragebogendaten bei der Gesamtbevölkerung 60+ erhoben sowie leitfadengestützte Interviews mit Bewohnern 60+ und Personen, die aufgrund beruflicher oder ehrenamtlicher Tätigkeit in den Bereichen Teilhabe, Versorgung oder Verwaltung häufig Kontakt zu dieser Bevölkerungsgruppe haben („Experten“) durchgeführt. Von den N=1.340 Bewohnern der Stadt Waldershof ab 60 Jahren nahmen 28.8 % (N=386) im Alter von 60 bis 95 Jahren (MW = 73.3; s = 8.5) an der Fragebogenstudie teil. 54.4 % (N=216) der Teilnehmer waren weiblich. Darüber hinaus konnten jeweils 16 vertiefende Interviews mit Bewohnern (N=12 Frauen / N=4 Männer im Alter von 60 bis 80 Jahren) und „Experten“ durchgeführt werden. Die Analyse der Daten ergab u. a. Problemlagen in Bereich der Gesundheit, Selbständigkeit und Mobilität. Fast 43 % der Befragten bewerten ihre Gesundheit als weniger gut oder schlecht. Dies korrespondiert mit einer hohen Anzahl von Personen mit Behinderungen und subjektiven Einschränkungen im Alltag. Ein weitere Herausforderung stellt der hohe Prozentsatz an nicht barrierefrei gestaltetem Wohnraum dar (ca. 70 % – 80 %), der bereits jetzt bei ca. 14 % der Bewohnern Alltagseinschränkungen verursacht. Mobilitätsdefizite zeigen sich darin, dass 9 % – 13 % der Bewohner Einrichtungen der Nahversorgung, Ärzte oder Freizeitangebote nur mit Unterstützung durch Dritte wahrnehmen können. Anhand verschiedener Indikatoren wurde zudem einen Personengruppe von ca. 37 % der Bevölkerung 60+ identifiziert, die aktuell Hilfen im Alltag in Anspruch nehmen muss bzw. bei denen zu erwarten ist, dass diese Personen in der näheren Zukunft auf umfangreichere Unterstützungsmaßnahmen angewiesen sein werden.

10:10

A. S. Esslinger; J. Preckel; I. Schröder
Fachbereich Pflege und Gesundheit, Hochschule Fulda, Fulda;

S18-06-03 

Begegnungsstätten auf dem Land: assistiv, sozial, multifunktional

Die älter werdende Gesellschaft birgt verschiedentliche Herausforderungen. So leben in ländlichen Regionen zunehmend vor allem Ältere. Dort sind z.B. Güter des täglichen Bedarfs und Versorgungsleistungen (Gesundheits- und Pflegeleistungen) schwerer verfügbar als in Städten. Auch soziale Beziehungen und Aktivitäten sind potenziell schlechter zu verwirklichen und weniger vielfältig (z.B. Bildungs-, Freizeit- und Kulturangebote). Älteren Menschen ist aufgrund der fehlenden Unterstützung der Erhalt der Selbständigkeit erschwert. Technische Lösungen (Ambient Assisted Living/AAL) sind denkbar aber insbesondere Ältere akzeptieren und nutzen diese vergleichsweise wenig. Der ländliche Raum muss also attraktiver gestaltet werden, damit er für eine heterogene Bevölkerung attraktiv bleibt, die mit flexiblen Konzepten an einer attraktiven Versorgung teilhaben kann. Methodisch betrachtet wurde anhand des Action Research im Projekt „dabei in Fulda“ im Landkreis Fulda an einer entsprechenden Lösung aktiv und beobachtend mitgewirkt. Es wurde eine zentrale Anlaufstelle als Treffpunkt für soziales Miteinander, Hilfe und Lernen geschaffen (Menschen, Dienstleistungsangebote und Technik kamen zusammen). Die Innovationskraft liegt in der zu fördernden Technikakzeptanz der älteren Gesellschaft durch Schulungen, Vorführungen, „Musterwohnung“ etc. Zur Umsetzung des Projektes erfolgten durch die Wissenschaftler eine Erfolgsfaktorenanalyse und eine Bedarfsanalyse. Die Prüfung der Voraussetzungen an etwaigen Standorten erfolgte durch weitere Projektteilnehmer. Bei Stakeholdern wurden Verständnis und Akzeptanz geschaffen. Die angemessene Technikunterstützung wurde im interdisziplinären Team erörtert und nutzbar gemacht (Anbieter finden, verhandeln, überzeugen). Konkret wurden Dienstleister identifiziert und aktiviert teilzunehmen, sodass eine „Passung“ des Konzepts für die Region entstand. Die Nachhaltigkeit wurde durch effektive Angebotsgestaltung und begleitende, noch andauernde Evaluation der Wirksamkeit gewährleistet. Neben dem Erhalt der Attraktivität des ländlichen Raums und der Nutzung vorhandener Ressourcen (Wohnraum etc.) steigen Akzeptanz und Solidarität in der heterogenen Gesellschaft. Kosten der Versorgung der alternden Bevölkerung werden positiv beeinflusst, da Menschen insb. aufgrund der Nutzung technischer Innovationen länger selbständig und unabhängig in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und Unterstützung aus unmittelbarere Näher erfahren.

10:30

T. Fischer
Institut für Raumplanung und Ländliche Neuordnung, Department für Raum, Landschaft und Infrastruktur, Universität für Bodenkultur Wien, Wien/A;

S18-06-04 

Raumplanung und Pflege im Dialog: Über das Vierte Lebensalter in ländlichen Räumen Österreichs

Die öffentliche Diskussion in Österreich zum Thema Betreuung und Pflege verläuft auf räumlich abstraktem Niveau. Im Kontext ländlicher Räume fällt sowohl aus raum- und planungswissenschaftlicher Perspektive aus auch aus kritischer Innensicht der Pflegepraxis auf, dass 1. die politisch favorisierte Priorisierung „ambulant vor stationär“ in Bezug auf die Langzeitpflege weder differenziert auf den soziodemographischen und -ökonomischen Wandel eintritt, noch sozialräumliche Entflechtungen der Familienmitglieder, neue Lebensformen und multilokale Lebensführungen mitberücksichtigt, 2. die Anforderungen an die ProfessionistInnen in der ambulanten Pflege auch aufgrund der wachsenden Anteile der Wegzeiten an der Gesamtarbeitszeit und des Wenigerwerdens pflegender An- und Zugehöriger zunehmen, 3. An- und Zugehörige ob der Nicht-Übernahme von Pflege ohne Auseinandersetzung der dahinter stehenden raumbezogenen Bestimmungsfaktoren zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, 4. in Bezug auf die Bedarfs- und Angebotsplanung der stationären Langzeitpflege die nähere Auseinandersetzung der (künftigen) NachfragerInnenprofile fehlt sowie 5. im Sinne einer abgestuften integrativen Altenbetreuung die Kriterien der Angebotsplanung im mobilen wie stationären Bereich nicht transparent sind. Vor dem Hintergrund der gemeinsamen zentralen Anliegen von Raumplanung und Pflege, gleichwertige Lebensverhältnisse und optimale Versorgungsqualität zu schaffen, stellen struktur- und funktionsräumliche Aspekte die Bedarfs- und Angebotsplanung für Personen im Vierten Lebensalter vor allem in demographisch alternden ländlichen Räumen vor große Herausforderungen. Dieser Beitrag stellt den Stand der interdisziplinären Auseinandersetzung im Kontext des Vierten Lebensalters „auf dem Land“ in Österreich vor, wobei 1. die Zielstellungen, Zugänge und inhaltlichen Schwerpunktsetzungen beider Disziplinen einander gegenübergestellt werden, 2. die Schnittmenge in Bezug auf die bisherige Berücksichtigung und zukünftige Relevanz raumbezogener Bestimmungsfaktoren für die Organisation des Vierten Lebensalters abgebildet wird und 3. Potenziale der zukünftigen „Zusammenarbeit“ im Sinne einer evidenzbasierten Politikgestaltung aufgezeigt werden.

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