Freitag, 18.09.2015

09:30 - 11:00

B004

S18-15

Puzzlesteine für eines aktives Leben im Quartier: Teilhabe, Achtsamkeit, Ehrenamt, neue Dienstleistungen und Technik

Moderation: B. Eberhardt, Stuttgart

Fragestellung:
Welche „Puzzlesteine“ sind sinnvoll oder gar notwendig, um im hohen Alter oder mit Demenz nicht nur zuhause leben zu können, sondern ein aktives Leben im Quartier zu führen?

Methodik:
Ausgehend vom Projekt „Alltag trotzt Demenz“ wurde recherchiert, welche weiteren anwendungsnahen Forschungsprojekte sich ebenfalls mit Fragen von Quartiergestaltung für Ältere und an Demenz Erkrankte befassen. Insbesondere wurde nach Projekten mit ergänzenden Aspekten gesucht.

Ergebnisse:
Das Symposium zeigt an Hand an der vier praxisnahen Forschungsprojekte "Alltag trotzt Demenz", "Mobil im Quartier trotz Demenz (mobQdem)", " Soziale Inklusion durch technikgestützte Kommunikationsangebote im Stadt-Land-Vergleich (SONIA)" (alle gefördert vom Sozialministerium in Baden-Württemberg) und "Sensorbasiertes adaptives Monitoringsystem zur Sicherung der Pflege- und Assistenzqualität für die Zukunft (SAMDY)" (gefördert vom BMBF) auf, wie die Themen Teilhabe, Achtsamkeit, Ehrenamt, neue Dienstleistungen und Technik als Puzzlesteine für eines aktives Leben im Quartier identifiziert, entwickelt und teilweise bereits umgesetzt wurden. Weiterhin werden Prognosen über die Chancen einer nachhaltigen Implementierung gewagt.

09:30

B. Eberhardt; A. Hoppe; B. Risch1
Smarte Assistenzlösungen, Tellur GmbH, 1 Workspace Innovation, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart;

S18-15-01 

Alltag trotz(t) Demenz – ein Konzept zur sichtbaren und unsichtbaren Sensibilisierung eines Quartiers für den Umgang mit Menschen mit Demenz

Fragestellung:
Eine der großen gesellschaftlichen Herausforderungen ist die Inklusion von demenziell Erkrankten in das gesellschaftliche Leben. Der Erhalt von Alltagsaktivitäten im vertrauten Lebensumfeld hat hierbei einen hohen Stellenwert. Achtsamkeit für Menschen mit Demenz und (ehrenamtliches) Engagement für die Entwicklung zu einer demenzfreundlichen Kommune tragen positiv dazu bei, dass demenziell Erkrankte so lange und so selbständig wie möglich in ihrem gewohnten Umfeld leben können. Nicht jeder kann helfen, aber jeder kann achtsam sein und Hilfe holen, wenn er für das Thema Demenz sensibilisiert ist.

Methodik:
Im Projekt „Alltag trotz(t) Demenz“ wurde in Stuttgart-Ostheim ein Konzept zur Sensibilisierung für den Umgang mit Menschen mit Demenz entwickelt, das lokale Geschäfte und Vereine für die Inklusion demenziell Erkrankter öffnet. Nach Recherchen und umfangreichen Interviews wurde eine Bedarfsanalyse im Quartier erhoben, die als Grundlage für die Konzeptentwicklung diente. Der Prozess im Quartier umfasst eine breite Sensibilisierung für das Thema, gezielte themenspezifische Information und Schulung, sowie sichtbare Zertifizierung von sensibilisierten Geschäften als Anlaufstelle für Menschen mit Demenz, für deren Angehörige und für Personen, die in zufälligen alltäglichen Situationen im Umgang mit Menschen mit Demenz überfordert sind. Ein niederschwelliger Zugang zu Unterstützungstechnologien im häuslichen und außerhäuslichen Bereich baut Hemmschwellen und Berührungsängste ab. Technik zum Anfassen und Ausprobieren ermöglicht hier eine Neugierde und Offenheit sowohl der Nutzer als auch der potenziellen Unterstützer (Angehörige, Freunde, Nachbarn etc.).

Ergebnisse:
Im Konferenzbeitrag wird die Konzeptentwicklung für die Sensibilisierung im Quartier bis zur Zertifizierung mit dem internationalen Emblem des Lila Engels aufgezeigt und in den einzelnen methodischen Aspekten beleuchtet. Erfolgsfaktoren und Hürden aus den Erfahrungen in Stuttgart-Ostheim werden aufgezeigt und somit die Übertragbarkeit auf andere Kommunen abgeleitet.

09:50

B. Risch; P. Gaugisch
Workspace Innovation, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart;

S18-15-02 

Mobil im Quartier trotz Demenz (mobQdem) – Identifizierung und Berücksichtigung ethisch relevanter Parameter für den Einsatz von GPS-Tracking und Geofencing

Fragestellung:
Eine zukünftige große gesellschaftliche Herausforderung ist die Inklusion von demenziell Erkrankten in das tägliche Leben. Der Erhalt von Alltagsaktivitäten im vertrauten Lebensumfeld hat hierbei einen hohen Stellenwert. Eigenständige Mobilität ist eine wichtige Grundlage zur Bewahrung der gesellschaftlichen Teilhabe. Im Projekt „mobQdem – Mobil im Quartier trotz Demenz“ werden in Künzelsau Menschen mit leichter bis mittlerer Demenz mit Hilfe von GPS-Tracking und Geofencing in ihrer außerhäuslichen Aktivität unterstützt. Dies soll einerseits den Betroffenen Freiräume schaffen und andererseits deren Angehörige entlasten. Der Einsatz von altersgerechten Assistenzsystemen wirft vor allem bei demenziell Erkrankten Menschen ethische Fragen auf, die in großer tiefe reflektiert wurden.

Methodik:
Personentracking und Ortung bei Menschen mit Demenz einzusetzen wirft zahlreiche ethische Fragestellungen auf. Für eine systematische Herangehensweise wurde zunächst ein Ethikdiskurs innerhalb des Projektkonsortiums durchgeführt. Dieser hatte zum Ziel, ein einheitliches Verständnis der ethischen Dilemmata und Spannungsfelder zu schaffen und deren Auswirkungen auf das Projekt zu entwickeln. Hierfür wurde das Modell zur ethischen Evaluation sozio-technischer Arrangements (MEESTAR) zugrunde gelegt. In einem weiteren Schritt wurden die Ergebnisse zusammen mit ihren Konsequenzen für die Rahmenbedingungen und die Auswahl der Teilnehmenden in einem Expertenworkshop vertieft und für die Umsetzung in die Praxis aufbereitet.

Ergebnisse:
Im Konferenzbeitrag werden der Weg und die Ergebnisse des „Diskurses über Ethik, Rahmenbedingungen und Auswahl der Teilnehmenden“ dargelegt und die Konsequenzen für die Probandenauswahl und die Festlegung des Projektsettings aufgezeigt. Hier ergeben sich sowohl methodisch als auch inhaltlich relevante Anknüpfungspunkte für weitere Ideen zum Technikeinsatz bei Menschen mit Demenz, um einen Beitrag zur Bewahrung der Selbständigkeit und zur Entlastung der professionellen und informellen Helfer zu leisten.

10:10

P. Gaugisch; D. Becker1; M. Kramer2 Workspace Innovation, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart; 1 Entwicklungszentrum Gut altwerden GmbH, Sindelfingen; 2 Geriatrisches Zentrum, Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Tübingen;

S18-15-03 

Senioren erleben digitales Miteinander – Beitrag moderner Kommunikationstechnik für die Teilhabe im Alter

Fragestellung:
Ältere Menschen möchten am Leben teilhaben. Die Möglichkeit der sozialen Teilhabe hängt dabei nicht nur von den körperlichen Fähigkeiten und persönlichen Ressourcen ab, sondern auch von Kontextbedingungen bzw. Sozialraumfaktoren. Damit wird das unmittelbare Wohnumfeld für die selbstständige Lebensführung und das individuelle Wohlbefinden immer bedeutsamer. Das Verbundprojekt „SONIA - Soziale Inklusion durch technikgestützte Kommunikationsangebote im Stadt-Land-Vergleich“ verfolgt das Ziel, unter Einsatz kommunikationsunterstützender Technologien die gesellschaftliche Teilhabe älterer Menschen zu erhöhen. Virtuelle Kommunikations- und Interaktionsmöglichkeiten sollen die Gemeinschaft wohnortnah stärken.

Methodik:
Das Projekt SONIA zeichnet sich durch seine hohe Bedarfsorientierung aus. Die Einbindung der Seniorinnen und Senioren (Primärnutzer) und weiterer beteiligter Akteure (Sekundärnutzer) fand von Beginn an statt. Die Bedarfsanalyse erfolgte durch qualitative leitfadengestützte Interviews mit stark narrativen Anteilen. Ausgehend von den Ergebnissen der Bedarfsanalyse erfolgte die Konzeption einer Tablet-App-Oberfläche. Mit der SONIA-Plattform wird ein „Raum des Austauschs“ für Seniorinnen und Senioren bereitgestellt, der die Community-Bildung unterstützt. Die Plattform ermöglicht es, persönliche Kontakte zu knüpfen (E-Mail, Chat, Skype), die Quartiersaktivitäten zu kommunizieren (Veranstaltungskalender) und Hilfsangebote und gemeinsame Aktivitäten untereinander auszutauschen (Schwarzes Brett). Der virtuelle „Raum des Austauschs“ ist eng an lokale physische Strukturen, Gruppen und Organisationen gekoppelt. Dies gewährleistet zum einen die Verankerung der Plattform-Angebote im Lebensalltag der Seniorinnen und Senioren und unterstützt somit andererseits eine entsprechende Identifikation.

Ergebnisse:
Im Konferenzbeitrag wird der Weg von der Bedarfsanalyse, über die Konzeption bis hin zur realen Nutzung der Plattform und deren Quartierseinbindung dargestellt. Barrieren und Erfolgsfaktoren werden benannt. Die Ergebnisse der Evaluation geben Aufschluss über die Nutzungshäufigkeit der Plattform und einzelner Applikationen.

10:30

A. Huffziger
Sozialwerk St. Georg e. V., Gelsenkirchen;

S18-15-04 

Sensorbasiertes adaptives Monitoringsystem zur Sicherung der Pflege- und Assistenzqualität für die Zukunft (SAMDY) - Technische Assistenz für die Verbesserung der Betreuungsqualität und als Baustein der Milieugestaltung

Fragestellung:
Vor dem Hintergrund des demographiebedingten Anstiegs der Zahl assistenzbedürftiger Menschen, der absehbar angespannteren Finanzierungslage und einer zunehmenden Personalknappheit auf dem Arbeitsmarkt für Sozialberufe, stellte sich die Frage, wie die Betreuungs- und Pflegequalität auch in der Zukunft gesichert werden kann, insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Förderung von ambulanten Angeboten für Menschen mit Assistenzbedarf und dem längeren Verbleib in der eigenen Häuslichkeit.

Methodik:
Im Projekt SAMDY, ein zwischen 2009 und 2013 gefördertes Projekt des BMBF, entstand ein sensorbasiertes Assistenzsystem, welches Menschen mit Assistenzbedarf mehr Selbstbestimmung und Autonomie ermöglicht. SAMDY stellt hierbei kein Notfallsystem dar. Pflege- und Betreuungsdienste werden über sich abzeichnende veränderliche Verhaltensweisen der unterstützten Personen informiert. Das Frühwarnsystem besteht aus verschiedenen in der Wohnung und im Bett installierten drahtlosen Sensoren sowie einer datenverarbeitenden Home-Station, die Schlaf- und Wachverhalten, die Bedienung von Hausgeräten, den Aufenthaltsort und Vitaldaten erkennen bzw. messen können. Getestet wurde das System zunächst in zwei Feldphasen in den Jahren 2011 und 2012 in rund 25 unterschiedlichen Testsettings.

Ergebnisse:
Die Ergebnisse der Testphase zeigten einen erheblichen Nutzen für die Assistenzprozesse sozialer Dienstleister im Sinne präventiver und krisenvorbeugender Effekte. Die erhobenen Daten führten zu einer Erhöhung der Betreuungsqualität, da schneller und adäquater auf mögliche Veränderungen im Verhalten reagiert werden konnte. Bereits Tendenzen einer Verhaltensänderung, die von den regulären Abläufen abweicht, konnten in die Assistenzprozesse einfließen und im Optimalfall krisenvorbeugende Wirkung haben. Heute werden die entwickelten Komponenten und Dienstleistungen u.a. bei der ambulanten Tochtergesellschaft ALPHA gGmbH in Duisburg eingesetzt und in der Praxis gelebt. Die technischen Assistenzsysteme sind in den ambulanten Wohngemeinschaften für Menschen mit einer demenziellen Beeinträchtigung im Einsatz. Des Weiteren wird ein Dienstleistungs- und Geschäftsmodell für den Einsatz des Assistenzkoffers im Quartier umgesetzt.

Diskutant: U. Otto, Zürich/CH

Zurück