Donnerstag, 17.09.2015

14:00 - 15:30

C212

S17-03

Orte der Teilhabe – Entwicklungsperspektiven in verschiedenen sozial-räumlichen Kontexten

Moderation: E. Olbermann, Dortmund; A. Kuhlmann, Dortmund

Ein zentrales Anliegen aktueller sozialgerontologischer Forschungsprojekte besteht darin, Teilhabemöglichkeiten im Alter zu verbessern und nachhaltige Strukturen und Instrumente zu entwickeln, die Älteren mehr Beteiligungsmöglichkeiten in unterschiedlichen Kontexten eröffnen. Besonderes Augenmerk ist hier auf die zunehmend von Ungleichheit bedrohten und betroffenen Lebenslagen Älterer zu richten: gefragt sind unterschiedliche Strategien, die auch bislang teilhabeferne und exkludierte Gruppen erreichen. Innovationen und nachhaltige Veränderungen dazu finden derzeit auf unterschiedlichen sozial-räumlichen Ebenen statt: im sozialen Nahraum der persönlichen Wohnumgebung, in der Arbeitswelt, in den Kommunen und Regionen.
Im Rahmen des Symposiums sollen in diesem Sinne verschiedene Orte der Teilhabe betrachtet und diskutiert werden. Anhand von Ergebnissen unterschiedlicher Forschungsprojekte aus den Themenbereichen Alter und Technik, Erwerbsbeteiligung sowie kommunale soziale und gesundheitliche Infrastrukturentwicklung werden exemplarisch verschiedene demografie- und alter(n)ssensible Strategien und Entwicklungen unter besonderer Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf Teilhabechancen im Alter vorgestellt.

14:00

A. Ehlers; A.-K. Teichmüller; T. Winterstein1
Institut für Gerontologie, Technische Universität Dortmund, Dortmund; 1 Elektrotechnik und Informationstechnik, Institut für Elektromechanische Konstruktionen, Technische Universität Darmstadt, Darmstadt;

S17-03-01 

Mehr Selbstständigkeit für blinde und stark sehbehinderte Menschen: Entwicklung eines mobilen Eingabegerätes zur Bedienung unterschiedlicher elektronischer Haushaltsgeräte

Krankheit und Behinderung gewinnen im Zuge des demografischen Wandels als zentrale Dimensionen sozialer Ungleichheit an Relevanz. So sind beispielsweise Blindheit und Sehbehinderung in Deutschland vor allem ein Problem des Alters: 2030 wird mehr als die Hälfte der Betroffenen zum Zeitpunkt der Neuerblindung 80 Jahre und älter sein. Dabei sind Frauen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Sowohl die selbstständige Lebensführung in der eigenen Häuslichkeit als auch die gesellschaftliche Teilhabe durch die unabhängige Nutzung von elektronischen Medien sind stark eingeschränkt, wenn sich elektronische Geräte vom Fernseher über das Radio bis zur Waschmaschine aufgrund einer Sehbehinderung nicht mehr bedienen lassen.
Vor diesem Hintergrund wird im Rahmen des Projektes STARK (Steigerung der Lebensqualität durch tragbare, örtlich aufgelöste Displaysysteme für die taktile Kommunikation) ein mobiles Eingabegerät entwickelt, das den technischen Unterstützungsbedarfen älterer sehbeeinträchtigter Menschen angepasst wird. Hierfür werden Eigenschaften einer klassischen Fernbedienung um in die Tasten integrierte, fühlbare und aktive Elemente erweitert. Durch Oberflächendeformation lassen sich Informationen taktil darstellen (taktile Icons) und somit situationsbezogen, beispielsweise für die Bedienung unterschiedlicher elektronischer Haushaltsgeräte, abrufen. Es werden Demonstratoren entwickelt und in zwei Nutzertest-Wellen von stark sehbehinderten und blinden Menschen erprobt. Experteninterviews und eine Literaturrecherche ergänzen das methodische Vorgehen.
Wie die Ergebnisse aus dem ersten Nutzertest (n=41) zeigen, ist der Bedarf für ein universales Eingabegerät mit taktiler Darstellung groß. Benachteiligungen in der selbstständigen Lebensführung bis hin zur gesellschaftlichen Isolation ziehen sich als Querschnittsthemen durch einen Großteil der Interviews mit den Testpersonen. Auf Basis der Ergebnisse werden Designrichtlinien für statische taktile Icons als Grundlage für adaptive Schnittstellen in der Mensch-Technik-Interaktion präsentiert und Einsatzszenarien für das neue Gerät vorgestellt.

14:20

J. Bauknecht
Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V., Institut für Gerontologie, Technische Universität Dortmund, Dortmund;

S17-03-02 

Einfluss betrieblicher Faktoren auf die Erwerbstätigkeit älterer Arbeiternehmer

Fragestellung
Eine hohe Erwerbstätigkeit Älterer (Erwerbsquote und Erwerbsumfang) hat positive Effekte auf die Finanzierbarkeit der Sozialsysteme, die Einkommen der Betroffenen sowie, vermittelt über die Verfügbarkeit von Arbeitskräften, auf die ökonomische Performanz. Neben der Nachfrage nach der Arbeit Älterer, die aus demographischen Gründen in den kommenden Jahren weiter ansteigen dürfte, ist das Arbeitskräfteangebot Älterer eine notwendige Voraussetzung für eine hohe Erwerbstätigkeit. Dieses Angebot wird durch Makrofaktoren (z.B. die implizite Besteuerung von Arbeit durch Steuer- und Sozialsysteme) beeinflusst sowie durch Mikrofaktoren (z.B. Gesundheitszustand, finanzielle Verhältnisse, familiäre Verpflichtungen). Die Wirkungen beider Ebenen können als relativ gut erforscht gelten. Auf der weniger gut erforschten Mesoebene (z.B. Betriebe) kann angenommen werden, dass die Bedingungen der täglichen Arbeit entscheidend für das Arbeitskräfteangebot sind. Dieser Beitrag stellt dar, welche Arbeitsbedingungen ausschlaggebend für den Wunsch sind, früher oder später in Rente zu gehen und für den Wunsch, in Vollzeit oder in Teilzeit erwerbstätig zu sein.
Methodik
Sekundärdatenanalysen verschiedener quantitativer Erhebungen in europäischen Staaten, teilweise aus dem Projekt MoPAct (‚Mobilising the Potential of Active Ageing in Europe‘), Arbeitspaket 3 (‚Extending Working Lives‘).
Ergebnisse
Unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen wird der Einfluss verschiedener Faktoren und Wahrnehmungen seitens älterer Erwerbstätiger aufgezeigt, die als veränderbar angesehen werden können und somit potentielle Handlungsbereiche zur Fachkräftesicherung sind. Die Ergebnisse werden sektorenspezifisch dargestellt.

14:40

S. Lechtenfeld; E. Olbermann
Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V., Institut für Gerontologie, Technische Universität Dortmund, Dortmund;

S17-03-03 

Gestaltung außerfamiliärer Generationenbeziehungen auf kommunaler Ebene

Vor dem Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels gewinnen außerfamiliäre Generationenbeziehungen an Bedeutung. Kontakte zwischen den Generationen außerhalb der Familie sind häufig Gelegenheitskontakte, die eine eher kurze Dauer und geringe Intensität aufweisen. Insgesamt erhöht sich das Risiko, dass es zwischen den Lebenswelten von Alt und Jung zunehmend weniger direkten Kontakt und Austausch geben wird. Mit Blick auf gesellschaftliche Partizipation im Alter sind soziale und räumliche Strukturen im Quartier erforderlich, die Begegnungen und Austauschmöglichkeiten zwischen den Generationen initiieren und fördern.
Fragestellung: Im Rahmen des Projektes „Wissenschaftliche Begleitung des intergenerationellen Senioren- und Jugendzentrums für Lemgo“ (02/2014 – 01/2017) soll ein generationenübergreifendes Konzept entwickelt und umgesetzt werden. Ziel ist die organisatorische, konzeptionelle und arbeitspraktische Zusammenführung der Seniorenarbeit und Jugendarbeit auf der kommunalen Ebene. Das Projekt verfolgt dabei einen explizit partizipativen Ansatz. Die zentralen Fragestellungen des Projektes sind: Inwieweit können neue Formen der Beteiligung und Mitgestaltung entwickelt und etabliert werden? Welche (neuen) Rollen und Aufgaben können Jugendliche und Senioren/-Innen ausüben? Wie werden die Konzeptumsetzung und die jeweiligen Angebote von den Nutzer/-Innen wahrgenommen und bewertet?
Methodik: Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung werden qualitative und quantitative Forschungsmethoden angewendet:
- Interviews und schriftliche Befragungen der jüngeren und älteren Zielgruppe
- teilnehmende Beobachtungen im Jugend- und Seniorenbegegnungszentrum
- Entwicklung und Umsetzung partizipativer Forschungsmethoden

Ergebnisse: Im Rahmen des Beitrages werden Ergebnisse der Interviews und der schriftlichen Befragung der Senior/-Innen und Jugendlichen sowie erste Erfahrungen mit partizipativen Verfahren vorgestellt und diskutiert.

15:00

A. Gieseking; V. Gerling
Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V., Institut für Gerontologie, Technische Universität Dortmund, Dortmund;

S17-03-04 

StrateG!N: „Demografiesensible Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum – Innovative Strategien durch Vernetzung“

Das Projekt StrateGIN wurde von Januar 2012 bis April 2015 von der Sozialforschungsstelle Dortmund (sfs), Zentrale wissenschaftliche Einrichtung der TU Dortmund (Projektleitung) und dem Institut für Gerontologie an der TU Dortmund (IfG) in enger Kooperation mit der Brancheninitiative Gesundheitswirtschaft Südwestfalen e.V. durchgeführt.

Ziel des Projektes war es, mit einer Vielzahl von Netzwerkpartnern eine abgestimmte Strategie zur nachhaltigen Sicherung einer demografiesensiblen, qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung in Südwestfalen zu entwerfen.

Dazu wurden eine Vielzahl von Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten durchgeführt, wobei sich wissenschaftlich-analytische und praxisbezogene Vorgehensweisen ergänzten. Im Rahmen dieses Beitrages wird insbesondere das Gesundheits- und Pflegenetzwerk Plettenberg-Herscheid vorgestellt, welches im Rahmen des Projekts StrateGIN aufgebaut und wissenschaftlich begleitet wurde. Dabei wird insbesondere auf den Aspekt der Teilhabe eingegangen. Mit dem Instrument der interkommunalen Zusammenarbeit zielt das Netzwerk darauf ab, die gesundheitliche und pflegerische Versorgung in Plettenberg und Herscheid zu optimieren sowie mittel- und langfristig sicherzustellen, so dass die Bürgerinnen und Bürger an einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung teilhaben können. An drei Runden Tischen (1) Vermeidung von Einsamkeit und Isolation im Alter, (2) Angebote zur Demenzversorgung und (3) Schnittstellen zwischen stationärer und ambulanter Versorgung haben sich sowohl hauptamtliche als auch ehrenamtliche Akteure engagiert. Die Teilhabe älterer Menschen an diesem Prozess wurde u.a. durch die Seniorenvertretung realisiert. Als Ergebnis der Arbeit der Runden Tische ist für die nächsten Jahre eine Roadmap entwickelt worden, die aufzeigt, welche Handlungsstränge in welcher Verantwortung von welchen Akteuren umgesetzt werden sollen.

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