Freitag, 18.09.2015

11:30 - 12:00

Poster Ausstellung

Moderierte Postersession

Moderation: J. Heusinger, Magdeburg

11:30

M.-A. Ruby
Memoryclinic, pprt Reutlingen, Reutlingen;

P01 

Demenzbilder bei jungen Erwachsenen. Einstellungen, Erfahrungen, Prädiktoren

The study at hand aims to examine if early contact (in childhood, adolescence or young adulthood) to people suffering from dementia corresponds with a more positive attitude towards the disease in early adulthood. Apart from that, different predictors for a positive attitude have been investigated.
Attutides have been measured according to the “Dementia Attitudes Scale” (DAS) questionaire (DAS) by O`Connor and McFadden (2010). In this case the German translation (Peng et al., 2011) has been used. The possible predictors as well as the conditions of contact with people suffering from dementia during the childhood years and adolescence have been collected via an additional questionaire.
The 168 participants of the study were between 18 and 29 years old and work as an apprentice in nursing (n=51), geriatric (n=63) or familiy care (n=20) or were high school students (from a Gymnasium of the second-chance training route) (n=34).
The study carried out confirmed the hypothesis: young adults who have been in contact with people suffering from dementia in their childhood years (up to age 11) showed a much more positive attitude towards dementia than those without such contacts. Furthermore, the young adults differed according to their current vocational experience: participants working with persons with dementia had more positive affective attitudes than those not working in geriatric care. Regarding the cognitive dimensions of attitude there has been no difference between the four groups. Apart from contact with people suffering from dementia durin the childhood years, a further predictor for a positive attitude towards dementia was the estimated duration of the terminal period as short.
The results suggest that early (and possible personal) contact with people suffering from dementia influences young adults´ attitudes towards the disease in an important and lasting way. In case this result will be confirmed by further examinations, it should have implications on urban and socio-environmental planning.

11:30

A. Seifert
Zentrum für Gerontologie, Universität Zürich, Zürich/CH;

P02 

Allgemeine und mobile Internet-Nutzung im Alter

Das Internet ist für Menschen im höheren Alter potenziell ein wichtiges Instrument zur Informationsgewinnung und Kommunikation. Aber wie sieht die tatsächliche Nutzung zuhause und unterwegs (mobiles Internet) aus? Mittels einer repräsentativen telefonischen Befragung wurden in einer ersten Studie 2009 bei insgesamt 1105 Personen ab 65 Jahren in der Schweiz Informationen zur Nutzung resp. Nichtnutzung erhoben. In einer Wiederholungsstudie (2014) konnten wieder 1037 Personen mit einem erweiterten Fragebogen in der gesamten Schweiz befragt werden. Es wurden sowohl Onliner als auch Offliner befragt. Forschungsziel der beiden Erhebungen war die Erfassung der jeweiligen Nutzungsprofile, aber auch die Eruierung der Einstellungen zum Internet und allfälliger Hemmnisse und Hürden. Ziel der Wiederholungsbefragung war einerseits einen Vergleich zwischen den Erhebungszeitpunkten zu ziehen und damit Entwicklungen aufzuzeigen. Anderseits wurden in der zweiten Befragungsstudie mobile Endgeräte (Smartphone, Tablet-Computer) berücksichtigt. Die starke Altersabhängigkeit der Nutzung bestätigte sich bereits in der ersten repräsentativen Studie. Neben den soziodemografischen Merkmalen Alter, Bildung und Einkommen sind es vor allem die persönlichen Einstellungen zur Technik und zum Internet, der proximale Nutzen, sowie das Zuraten zum Internet aus dem sozialen Umfeld, die eine Nutzung des Internets begünstigen. Die Ergebnisse der zweiten Befragungsstudie werden an der Jahrestagung vorgestellt, da zum Zeitpunkt der Einreichung noch keine publizierten Ergebnisse vorliegen. Die repräsentativen Befragungsstudien zeigen Chancen und Barrieren der Internet-Nutzung im Alter auf und geben Hinweise auf Massnahmen, die geeignet sind, die potenzielle "digitale Ausgrenzung" älterer Menschen zu überwinden.

11:30

V. Wolter; M. Reichert
Soziale Gerontologie und Lebenslaufforschung , Institut für Soziologie, Universität Dortmund, Dortmund;

P03 

SPORT FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ – im Tandem zu mehr Bewegungsangeboten in Nordrhein-Westfalen

Schon seit einigen Jahren schreiben wissenschaftliche Studien der regelmäßigen körperlichen Aktivität in Bezug auf die Prävention und nicht-medikamentöse Therapie von dementiellen Erkrankungen eine bedeutende Rolle zu. Auch die Erfahrungen nationaler und internationaler Projekte zeigen, dass insbesondere das gemeinsame Bewegen in der Gruppe einen großen Stellenwert für die emotionale Aktivierung besitzt und Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen in ihrer gesellschaftlichen Teilhabe unterstützt.

Im Projekt SPORT FÜR MENSCHEN MIT DEMENZ setzen 73 Tandems, bestehend aus den Partnern "Sportverein" und "Pflege/Betreuung/Beratung", diese Erkenntnisse durch die Initiierung neuer Bewegungsangebote in die Praxis um - inklusiv oder homogen. Dabei werden sie vom Behinderten- und Rehabilitationssportverband und Landessportbund koordiniert und vom Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter NRW gefördert.

Das Lehrgebiet "Soziale Gerontologie mit dem Schwerpunkt Lebenslaufforschung" der TU Dortmund ist für die wissenschaftliche Begleitung dieses Projektes während der gesamten Laufzeit (2014 - 2016) verantwortlich. Durch prozessbegleitende Fokusgruppengespräche mit den Tandems, Nutzerdokumentationen wie auch leitfadengestützte Einzelinterviews mit Teilnehmenden und ihren Angehörigen werden Fragen zu den strukturellen Voraussetzungen bzw. zu den fördernden und hemmenden Faktoren ebenso untersucht wie die Möglichkeit einer nachhaltigen Implementierung von zielgruppengerechten Bewegungsangeboten im organisierten Sport. Im Fokus der Evaluation steht dabei stets die Frage, welche Wirkung die Angebote auf das Wohlbefinden und die Lebensqualität von Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen haben.

Der Beitrag stellt die aktuellen Ergebnisse der Anbieter-Fokusgruppen wie auch der Einzelinterviews mit Teilnehmenden der Bewegungsgruppen und ihren Angehörigen dar.

11:30

N.-A. Götz; B. Babitsch
New Public Health, Universität Osnabrück, Osnabrück;

P04 

Der Einsatz opportunitätsbasierter Indikatoren als Erweiterung schichtsoziologischer Ansätze zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit

Fragestellung:
In den Gesundheitswissenschaften und der Versorgungsforschung basieren viele Erklärungsansätze zur Bestimmung sozialer Ungleichheitsmaße auf den „traditionellen“ Sozialindikatoren wie z.B. Einkommen, Bildung, etc. Neuere Betrachtungsebenen auf Grundlage opportunitätsbasierter Indikatoren wurden empirisch erst wenig untersucht und in einen Zusammenhang mit objektiven und subjektiven Gesundheitsaspekten gebracht. Die forschungsleitende Frage ist, ob der theoretische Rahmen des „Capability Approaches“ einen erweiternden Erklärungsansatz für die Zusammenhänge zwischen Armut und Gesundheit liefern kann. Hintergrund ist die These, dass vor allem in der zweiten Lebenshälfte alternative bzw. opportunitätsbasierte Sozialindikatoren eine fundamentale Bedeutung haben könnten.
Methode:
Auf Grund des erst wenig empirisch untersuchten Feldes von Capabilities und deren Bedeutung für Lebensqualität resp. als Erklärungsfaktor für die Beziehung zwischen sozialer Ungleichheit und Gesundheit, wird ein Multi-Methoden-Ansatz mittels eines qualitativ-quantitativem Studiendesigns eingesetzt. Im ersten Schritt des qualitativen Designs wurden neunteil-strukturierte Interviews mit Personen ab dem 58. Lebensjahr geführt. Die Interviews wurden nach der „Qualitativen Inhaltsanalyse“ von Mayring ausgewertet. Resultierend hieraus entstand ein Kategorien- bzw. Indikatorensystem, welches vier Dimensionen exkl. Subdimensionen zugeordnet wurde. Das Indikatoren-Set wurde in einem folgenden Schritt mittels einer Delphi-Befragung von ExpertenInnen validiert und konsentiert. Im nächsten Schritt des Studienvorhabens findet eine quantitative Erhebung statt. Hierbei wird ein standardisierter Fragebogen innerhalb einer repräsentativen (in Bezug auf die Faktoren Alter und Geschlecht) Einwohnermeldeamtstichprobe in der Bevölkerung der Stadt Osnabrück ab dem 61. Lebensjahr eingesetzt.
Ergebnisse:
Erste Ergebnisse aus dem qualitativen Studienteil belegen, dass „traditionelle“ Sozialindikatoren wie Bildung oder ehemalige berufliche Position als nachrangig wichtig für den Alterungsprozess eingeschätzt werden. Der quantitative Forschungsteil soll demnach untersuchen, ob opportunitätsbasierte Indikatoren auch einen deutlich beitragenden Anteil zur Erklärung gesundheitlicher Ungleichheit haben könnten.

11:30

A. Franke; U. Otto1; I. Bischofberger1
Gesundheitswissenschaften / Methoden der Sozialen Arbeit, Evangelische Hochschule Ludwigsburg, Ludwigsburg; 1 Careum Forschung, Gesundheit, Kalaidos Fachhochschule, Zürich/CH;

P05 

Distance Caregiving (DiCa): Pflege- und Hilfepotenziale über nationale Distanzen und internationale Grenzen hinweg

AUSGANGSLAGE: Angehörige vor Ort, die bereit und in der Lage sind, hauptverantwortlich zu pflegen, werden immer mehr zur knappen Ressource - aufgrund des demograf.und Wertewandels, Mobilität, Familienstrukturen. Dringend werden sämtliche Formen gesucht, in denen Menschen Sorge-und Pflegearbeit auch jenseits der bisher vorherrschenden Figur der hochinvolvierten "Hauptpflegeperson vor Ort" leisten.
DAS BINATIONALE F+E-PROJEKT DiCa (BMBF-Silqua, 2015-18; Ev.HS Ludwigsburg + Careum Forschung Zürich) untersucht hier eine besonders wichtige Form: Unterstützung trotz einer geograf. Distanz von mind. einer Fahrstunde zwischen den Angehörigen. Dabei ist die zunehmende Offenheit gegenüber sozial gut eingebundenen IuK-Technologien und AAL-Formen besonders wichtig.
FORSCHUNGSBEZOGENES ZIEL ist die Exploration von bislang kaum erforschten Herausforderungen und Strategeien von "Distance Caregivers" und deren Wirkungen. ENTWICKLUNGSBEZOGEN geht es um die empirisch fundierte Konzeption, Pilotierung und Evaluation entsprechender Rahmenbedingungen und Interventionen am Bspw. von 2 Nachbarländern mit hoher Arbeitsmobilität über Landesgrenzen hinweg (D-CH). Das Projekt nimmt die Perspektive der Distance Caregivers, die betriebliche, versorgungsbezogene und gesellschaftliche Ebene in den Blick. Empirisch werden sowohl quant. Sekundäranalysen als auch Betriebsfallstudien, qual. Experteninterviews und problemzentrierte Interviews mit Distance Caregivers durchgeführt.
TRANSFERBEZOGEN werden u.a Tools (Handrichungen, innovative Kommunikations- und Vernetzungsformen, Webinars, Cafe Scientifique bemeinsam mit der Praxis entwickelt, pilotiert, modifiziert und formativ evaluiert.
DAS POSTER VERFOLGT FOLGENDE ZIELE: Es arbeitet den Forschungsstand zu DiCa auf - unter besonderer Berücksichtigung von IuK-Anwendungen -, es stellt die Projektanlage des F+E-Projekts vor und diskutiert hier insb. konzeptionelle Fragen mit Blick auf Interventionsmöglichkeiten und deren Implementation.

11:30

A. Kuhlmann
Forschungsgesellschaft für Gerontologie e.V., Institut für Gerontologie, Technische Universität Dortmund, Dortmund;

P06 

Gegenseitige Unterstützung und Selbsthilfe in der Bocholter Bürgergenossenschaft – Chancen und Herausforderungen für die Gestaltung ehrenamtlicher Fürsorge im Sozialraum

Die Idee der Senioren- oder Bürgergenossenschaften erfährt weiterhin starke Beachtung; vielfach wird damit die Chance verbunden, eine individuell wie gesamtgesellschaftlich relevante Strategie zur Sicherstellung eines möglichst selbständigen Lebens im Alter zu etablieren. Nach Abschluss des Projektes Bocholter Bürgergenossenschaft (bbg) liegen umfassende Erfahrungen vor, die auf zahlreiche Potenziale, aber auch auf spezifische Herausforderungen hinweisen, die sich im Gründungsprozess und nach Aufnahme des Geschäftsbetriebs in einer Bürgergenossenschaft für die Organisatoren und Mitglieder sowie die lokalen Akteure stellen.
Basierend auf den Ergebnissen der unterschiedlichen Erhebungen im Projektverlauf werden Handlungsempfehlungen generiert, die anderen Interessierten Anhaltspunkte zur Planung und Umsetzung des genossenschaftlichen Modells der gegenseitigen Selbsthilfe geben. Berücksichtigt werden u.a. die Themen grundsätzliche Ausrichtung einer Bürgergenossenschaft, Organisation und Mitgliederbestimmung, Abrechnung und Finanzierung, Rechtsform, Leistungskatalog und Umgang mit Konkurrenz, Koordination von Angebot und Nachfrage, Qualitätsmanagement und Öffentlichkeitsarbeit.
Mit Blick auf die Übertragbarkeit des Modells auf andere Regionen und sozialräumliche Kontexte werden folgende Fragestellungen adressiert:
- Welche örtlichen und strukturellen Rahmenbedingungen liegen der bbg zugrunde? Was bedeutet dies für den Transfer des Modells?
- Welche Erfahrungen werden von den Organisatoren der bbg im Verlauf der Gründung gemacht? Welche förderlichen und hinderlichen Rahmenbedingungen werden benannt?
- Welche Chancen und Herausforderungen bestehen für die praktische Umsetzung vor Ort aus Sicht der Organisatoren und Mitglieder der bbg? Welche Lösungsstrategien haben sich bewährt?

Methodik: Analyse des Forschungsstands, Bedarfsanalyse, teilnehmende Beobachtung, persönliche und schriftliche Befragungen der unterschiedlichen Projektbeteiligten, Dokumentenanalyse.

11:30

J. Kirch
Fachbereich Architektur und Innenarchitektur, Hochschule Ostwestfalen-Lippe, Detmold;

P07 

NationenWohnen – Analyse von multikulturellen und kulturspezifischen Wohnstrukturen altersgerechter Wohnprojekte in den Niederlanden

Problemstellung
Die Studie setzt sich vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und der Vergrößerung des multiethnischen Bevölkerungssegmentes mit altersgerechten und kulturspezifischen Wohnstrukturen auseinander. Kultur- oder religionsspezifisch ausgerichtete stationäre Pflegeeinrichtungen werden von Menschen mit Migrationshintergrund kaum in Anspruch genommen. Diese Beobachtung führte zu der Forschungsfrage, ob bauliche Maßnahmen dazu beitragen können, die Akzeptanz altersgerechter Versorgungsangebote durch kulturspezifisch angepasste Wohnstrukturen und räumliche Gestaltung von Personen mit Migrationshintergrund, zu steigern. In den Niederlanden wurden dafür multikulturelle und ethnisch gruppierte Altenwohnprojekte analysiert.

Vorgehensweise
In fünf Städten wurden 14 repräsentativ ausgewählte Wohnprojekte auf Grundlage strukturierter Datenblätter analysiert. Faktoren wie ethnische Zielgruppe, Religion der Bewohner, Grundrissgestaltung und Materialität wurden untersucht. Teilstrukturierte Interviews mit Projektinitiatoren und einer niederländischen Wohnexpertin ergänzten die Untersuchung.

Ergebnisse
Zielgruppen für die Wohnprojekte bilden sich aus unterschiedlichen Schnittmengen. Faktoren wie Herkunft, Religion u.a. sind je nach Einrichtung unterschiedlich gewichtet. Bauliche Merkmale in Fassaden, Grundrissen und Raumgestaltung, die auf Herkunft oder Religionszugehörigkeit schließen lassen, wurden kaum gefunden. Die Gebäude sind von außen dem baulich-städtischem Umfeld angepasst und lassen keinerlei kulturelle Identität an ein anderes Herkunftsland erkennen. Als Gründe hierfür wurden finanzielle, klimatische und baurechtliche Einschränkungen genannt. Die Gestaltung der Innenräume obliegt keinem besonderen Konzept, verwendete Materialien entsprechen dem Zeitgeist. Hinweise auf Herkunftsort, Heimatkultur oder Religion wurden in Form dekorativer Objekte gefunden, z.B. Landkarten, religiöse Symbole oder tropische Pflanzen.

Ausblick
Erkenntnisse aus der Kognitionspsychologie belegen den Zusammenhang von Wahrnehmung und Handlung. Bei Menschen lassen sich individuelle, kulturspezifische Wahrnehmungsmuster finden, die gebildet werden durch Eindrücke in den ersten Lebensjahren. Im Alter kann daher der Aspekt einer Migrationserfahrung vor dem Hintergrund einer Demenz verstärkt relevant werden, indem man individuelle Wahrnehmungsmuster nutzt, um durch die Gestaltung der Umgebung den dementen Nutzer gezielt zu Handlungen zu animieren.

11:30

A. Cosack; E. Bubolz-Lutz1; D. Wattad2; S. Grote3
Institut für Gerontologie, TU Dortmund , Dortmund; 1 Forschungsinstitut Geragogik, Düsseldorf; 2 FoGera e.V., Witten; 3 Seniorenbüro Südwest, Arbeiterwohlfahrt/Stadt Bochum, AWO Unterbezirk Ruhr-Mitte, Bochum;

P08 

Patientenbegleitung - Freiwillige begleiten alte und alleinstehende Personen bei Krankenhausaufenthalten oder zu schwierigen Arztbesuchen

Die demografischen Veränderungen mit einer Zunahme der Zahl älterer und alleinstehender Menschen haben nicht zuletzt Auswirkungen auf die Versorgung dieser Klientel im Fall eines Krankenhausaufenthaltes. Hier benötigen gerade ältere und alleinstehende Patienten Unterstützung, die über die rein medizinische und pflegerische Versorgung hinausgeht: Das Projekt „Patientenbegleitung“ bietet durch ein neues Engagementprofil älteren und alleinstehenden Menschen, die einen Krankenhausaufenthalt oder einen schwierigen Arztbesuch bewältigen müssen, emotionalen Beistand und praktische Hilfen . Speziell geschulte, unentgeltlich engagierte „Patientenbegleiter“ helfen den älteren Patienten bei der organisatorischen Planung des Krankenhausaufenthaltes und stehen ihnen während des Aufenthaltes in einer Klinik oder einer Arztpraxis zur Seite . Des Weiteren versuchen sie nach der Entlassung das Einleben zu Hause zu erleichtern, indem sie Unterstützer in Nachbarschaft und Gemeinde einbinden.
Die Projektleitung lag beim Forschungsinstitut Geragogik e.V. (FoGera) in Witten. Zusammen mit der AWO-Bochum wurde zunächst im Pilotstandort Bochum-Dahlhausen das Freiwilligenprofil entwickelt und erprobt. Ab 2014 erfolgte eine systematische Verbreitung des Ansatzes in NRW – durch eine Qualifizierung für Multiplikatoren aus 10 Standorten. Nach der Implementierung dieser Initiativen wird ein “Netzwerk Patientenbegleitung NRW” gegründet.
Die externe wissenschaftliche Begleitung des Projekts lag am Institut für Gerontologie der TU Dortmund. Aufgabe der wissenschaftlichen Begleitung war es, zu untersuchen, inwieweit die Projektziele der Patientenbegleitung erreicht wurden. Hierzu zählten der Erhalt von Selbständigkeit und Handlungsfähigkeit für alleinstehende ältere Patienten durch deren Unterstützung und Vernetzung, die Entwicklung eines aus Sicht der freiwillig Engagierten adäquaten und sinnstiftenden Engagementprofils, die Integration des neuen Angebotes in das Gesamt-Versorgungssystem sowie der Transfer der Patientenbegleitung in andere Regionen.
Methoden:
• Teilstandardisierte Fragebögen
• Leitfadengestützte Interviews
• Gruppendiskussionen
• Beobachtende Teilnahme
Es werden Ergebnisse und Handlungsempfehlungen zur erfolgreichen Implementierung einer Initiative „Patientenbegleitung“ dargestellt.

11:30

A. Leu
Careum Forschung, Gesundheit, Kalaidos Fachhochschule, Zürich/CH;

P09 

SwissDRG - quo vadis? Ausw.der Fallpauschalen auf ältere Patienten in der Schweizer Gesundheitsversorgung - ethische Kriterien und rechtliches Korrelat

Ziel
Die Schweiz hat 2012 DRG eingeführt. Das Erkennen der besonders verletzl.Patientengruppen und deren Abb.in der Tarifstruktur SwissDRG ist herausfordernd. Die Begleitforschung fragt,welche Patienten im Spitalalltag vulnerabel sind u.was SwissDRG für diese verändert.
Methode
Aus 383 Spitälern wurden 40 (43 Experten in 24 Kantonen) für die qual.Studie ausgewählt (purposive sampling, semi-strukt.Leitfaden).
Resultate
1. Experten bezeichnen folg.Patienten im Spitalalltag als stark verletzlich: multimorbide,sehr alte,chronisch-kranke,demente Pat.; Pat.mit seltenen Krankheiten, Pat., die teure Medikamente benötigen, pflegeintensive bzw. palliative Pat., Pat.ohne Anschlusslösung (Heim,Reha,Spitex), Babys, Kinder, Pat.mit Behinderungen, Sucht, HIV, sozial Schwache, Gefangene, Obdachlose, Migranten, Asylbewerber, Pers.mit unklarem Aufenthaltsstatus, Sans-papiers, Pers.mit schlechtem Zugang zur Soz.versich. sowie fehlenden Sprachkenntnissen.
2. Durch die untersch.Tarifsysteme des stat.(SwissDRG) und ambul.(TARMED) Bereichs werden Entscheide, wann welche Pat. wo behandelt werden, oft mit Blick auf finanz. Erwägungen und nicht auf das Pat.wohl getroffen.
3. Ungenügend differenzierte Abb. im SwissDRG kann zu Kürzungen spitalinterner Ressourcen u.damit zur Minderversorgung bspw. Älterer führen.
Fazit:
SwissDRG fördert u.fordert die Spitäler. Sie unterstützt die Behandlungs-, Prozess- und Strukturqualität und fordert, sich hier einen Wettbewerbsvorteil zu Mitbewerbern zu erarbeiten. Bestehende Befürchtungen: Sinkende Versorgungsqualität bei knapperen Ressourcen, erschwerter Zugang zur Versorgung auch für Ältere, die längere/aufwändigere Behandlungen benötigen oder eine vorzeitige Verlegungen in nachstat. Einrichtungen. Frage: welche Schutzbestimmungen hat der Gesetzgeber zur Abfederung nachteiliger Folgen der SwissDRG eingeführt.
Fazit: Es existieren eth. Bewertungskriterien, die ihr Korrelat in best.rechtl. Schutzbestimmungen finden. Bei der Ausarbeitung/Umsetzung der Schutzbestimmungen ist das vom Gesetzgeber nicht explizit reflektiert worden, zeigt aber, dass die Tarifstruktur SwissDRG kein uneth. System ist, sondern dass es durchaus wesentliche Punkte gibt, die vom Gesetzgeber CH aufgegriffen wurden. Er sollte aber an einer Optimierung der Akut-und Übergangspflege arbeiten, weil diese in der akt. Ausgestaltung kaum nachhaltig Fuß fassen wird u.diese Leistungskat. insb.für Ältere u.damit für eine der größten vulnerablen Pat.gruppen von Bedeutung ist.

11:30

M. Brettenhofer; A. Scheidegger; A. Fringer; A. Schmid; M. Leser1; S. Tarnutzer; M. Müller; M. Thoma; U. Otto2; S. Kuchen
IFSA-Kompetenzzentrum Generationen, FB Soziale Arbeit, FHS St. Gallen - Hochschule für angewandte Wissenschaften, St. Gallen/CH; 1 Fachbereich Alter, CURAVIVA Schweiz, Bern/CH; 2 Careum Forschung, Gesundheit, Kalaidos Fachhochschule, Zürich/CH;

P10 

Pflegende und betreuende Angehörige älterer Menschen stützen – Pflegenetze planen

Hintergrund
Pflegende und betreuende Angehörige von älteren Menschen leisten einen enormen gesell-schaftlichen Beitrag – bspw. aus ökonomischer Sicht ca. 3 Mrd. CHF laut Schätzungen in der Schweiz. Aufgrund der demografischen Entwicklung, des sich abzeichnenden Pflegenot-stands und der Tatsache, dass die meisten Pflegebedürftigen möglichst lange zu Hause leben und betreut werden möchten, ist es zentral, die pflegenden und betreuenden Angehörigen als bedeutende „Ressource“ für die zukünftige Gesundheitsversorgung zu erhalten und zu fördern. Ein laufendes interdisziplinäres F+E-Projekt (Finanzierung: Gebert Rüf Stiftung, Programmlinie „BREF/Soziale Inno¬vationen“, Laufzeit 2014-17) exploriert auf Basis einer allgemeinen Wirkungsmodellierung die Pas¬sungs¬fähigkeit der bestehenden Dienstleistungs-angebote in 3 Schweizer Städten in Bezug auf die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen.

Methode
In der 6-monatigen Feldphase werden pflegende und betreuende Angehörige zum subjektiven Unterstützungsbedarf, zu Einstellungen und Erfahrungen mit Dienstleistungsangeboten sowie zu Bewältigungsstrategien befragt (leitfadengestützte Interviews, Tagebücher, Netz-werkanalyse, standardisierte Assessmentinstrumente). In einem breit angelegten Partizipati-ons¬prozess werden auch das Wissen und die Erfahrungen von Pflege- und Betreuungsorga-nisationen sowie die Perspektive von Politik und Verwaltung analysiert, synthetisiert und deren Vernetzung zueinander untersucht. Zugleich wird ein generisches Fallmodell entwickelt.

Ergebnisse
Das theoretische Ursache-Wirkungs-Diagramm des generischen Fallmodells liegt vor und zeigt die Kernvariablen einer Pflege- und Betreuungsrolle sowie de¬ren Wechselwirkungen. Außerdem werden verbesserte Kooperationsmodelle zwischen den Dienstleistungsanbietern im Sinne von passgenauen Lösungsstrategien zur Unterstützung und Entlastung von pfle-genden und betreuenden Angehörigen initiiert und installiert. Pro¬fessionelle und familiale/ nach¬barschaftliche Dienste werden dabei komplementär betrach¬tet und miteinander ver-schränkt.

Das Poster
berichtet die Konzeption des F+E-Projektes sowie die bisherigen Ergebnisse. Anhand des Ursache-Wirkungs-Modells ist es erstmalig möglich, die Komplexität der „Ressource“ einzu-schätzen und vorhandenes Wissen zur Dynamik der Rolle von pflegenden Angehörigen zu bündeln sowie in einem universellen Wirkungsmodell zu modellieren.

17:46

U. Otto; S. Tarnutzer1; M. Brettenhofer1; C. Brockes2; S. Schmidt-Weitmann2
Careum Forschung, Gesundheit, Kalaidos Fachhochschule, Zürich/CH; 1 IFSA-Kompetenzzentrum Generationen, FB Soziale Arbeit, FHS St. Gallen - Hochschule für angewandte Wissenschaften, St. Gallen/CH; 2 Klinik und Poliklinik für Innere Medizin, UniversitätsSpital Zürich, Zürich/CH;

P11 

Long Independent Living Assistant (LILA) – Medizin. Telemonitoring und individ. Teleberatung auf Basis eines AAL-Assistenten

Problemstellung
Im F+E-Projekt LILA (Finanzierung: KTI-CH) wird ein internetbasierter AAL-Assistent für Telemonitoring und -beratung (Telefon, Video, E-Mail) für Ältere in der privaten Häuslichkeit entwickelt.
LILA zielt auf die mit dem demograf.Altern verbundenen Herausforderungen im Gesundheits-,Pflege- und Sozialbereich, wie z.B. die Belastung des intra- und extramuralen Gesundheitssystems durch die überprop.Inanspruchnahme durch Ältere, bei gleichzeitigem Mangel an niedergelassenen Hausärzten im ländl.Raum oder zunehmende chron. Erkrankungen und Multimorbidität. Damit die Älteren möglichst selbständig wohnen können, brauchen sie und ihre soz.Netzwerkpersonen Beratung, Anleitung, Unterstützung, Lernprozesse bis hin zu gestuften hochflexiblen Formen der Betreuung. Telemed. und Telemonitoring können zentrale Beiträge liefern.
Ausblick
Die F+E steht noch am Anfang bzgl. intell. u.interaktiver telemed. Systeme u.Dienste, v.a.auch bzgl. Empowerment/Steigerung d.Gesundheitskompetenz. Forschungen zeigen aber Potenziale, dass mit Telemedizin die Gesundheitskompetenz/Compliance/Adhärenz und Kompetenzen zur Alltagsbewältigung verbessert, Unsicherheiten und Erkrankungsraten reduziert,Lebensqualität verstärkt werden können.
Mehrmethodendesign in Piloprojekt, quant. u.qual. Methoden: Fokusgruppen u.qual. Interviews sowie Fragebögen (u.a. SF-36/SF-12 zum subj. wahrg. Gesundheitszustand, FSozU). In einer 6-monatigen Pilotstudie werden Prozess-Daten aus Teleberatung und Telemonitoring mit MAXQDA 10 erfasst und mit indukt. Kategorienbildung evaluiert. 13 Untersuchte Personengruppen: die primären Endnutzer, die Hausärzte, die Spitex sowie Angehörige („sekundäre Enduser“). Die prim.Enduser umfassen 20-50 Personen 50+, die selbstst.in priv. Haushalten leben. Erfassung der Nicht-Akzeptanz über Personen, die Interesse an der Thematik zeigen, jedoch nicht an der Studie teilnehmen.

Es wird berichtet über die Akzeptanz der Endnutzer und Gründe für Nutzung/Nicht-Nutzen. Seit März 2015 steht die LILA-Software zur Verfügung und wird im Pilot evaluiert. Die (a) Ergebnisse der vorab durchgeführten Bedürfnisexplorationen und (b) die im Testbetrieb ermittelten Akzeptanzaspekte bieten die Grundlage für Evaluation und Weiterentwicklung der Angebote. Ebenfalls seit Mitte 2014 wird ein Business Modell erarbeitet, welches gemeinsam mit den beteiligten Wirtschaftspartnern (v.a. emineo AG, Zürich) erarbeitet wird.

11:11

V. Gallistl; A. Wanka1; F. Kolland1; P. Cano2; S. D’Angelo3; O. Stanek4; L. Saftu5; C. Vaz de Carvalho6; C. Azevedo6; L. Gasilova7
Institut für Soziologie, 1 Institut für Soziologie, Fakultät für Human- und Sozialwissenschaften, Universität Wien, Wien/A; 2 Aula Permanente de Formación Abierta, Universidad de Granada, Granada/E; 3 Anziani e non solo società cooperativa, Modena/I; 4 Prague/CZ; 5 Romanian Institute for Adult Education, Timisoara/RO; 6 Virtual Campus Lda., Porto/P; 7 Forum Pre pomoc Starsim, Prievidza/SK;

P12 

”Ubiquitous Information For Senior’s Life” – A Pedagogical Approach To Diminish The Digital Divide

Objective: Shifting towards an information society, the integration of senior citizens into information and communication technologies (ICT) poses a challenge for today´s societies. Info- exclusion among citizens aged over 50 years results in a ”digital divide” which intensifies social inequalities between age groups. Therefore, the need for pedagogical strategies in ICT-supported learning that are both age-sensitive and empirically founded emerges.
Method: The European LLP-project ”Ubiquitous Information for Senior´s Life” (UISEL) aims to define a pedagogical model that is directly derived from learning needs and ICT-experiences of seniors and adapted to the local contexts of seven partner countries (Austria, Czech Republic, Italy, Portugal, Romania, Slovakia, Spain). Complementing scientific literature and European survey data, 36 semi-structured interviews with practitioners from senior education and social work have been conducted.
Results: Results show that practitioners acknowledge the importance of ICT for seniors, however, its use is yet marginal. Seniors of all partnering countries are willing to learn but are facing external (i.e. costs, age-insensitive technology design) and internal (i.e. technological skepticism, security concerns, lack of competences) barriers. Particularly the latter emphasize the need for an age-sensitive pedagogical model for ICT courses.
Conclusion: Following empirical results and geragogical principles, a pedagogical model is presented, that will be transferred into training courses for senior educators and an online application for seniors. It integrates in-class learning, supervised peer learning and autonomous e-learning. Covering six modules, which reach from e-information and e-commerce to e-health and e-entertainment, it aims at leveraging processes of independence and empowerment of seniors.

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