Freitag, 18.09.2015

12:00 - 13:30

C311/12

S18-11

Bildung und Beratung in Sozialraum und Quartier

Moderation: C. Kricheldorff, Freiburg

Moderation: Prof. Dr. Elisabeth Bubolz-Lutz, Düsseldorf

Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Veränderungsprozesse, im Kontext des demografischen Wandels, bekommen neue Wohn- und Lebensformen eine wachsende Bedeutung. Es geht dabei auch um die Bedeutung und Wertigkeit intergenerationeller Bezüge und deren Gestaltungsmöglichkeiten sowie um die Verbesserung der Bedingungen für das individuelle und kollektive Altern in sozialräumlichen Kontexten.

Die Fachdebatten um die Ermöglichung eines gelingenden Alterns im Quartier oder in der Gemeinde werden zunehmend mit Fragen von Qualität und Gestaltungsmöglichkeiten sozialer Beziehungen verknüpft, als polarisierende Szenarien drohender sozialer Isolation versus neuer Formen der Vergemeinschaftung. Diskutiert werden in diesem Kontext Modelle von Caring Communities oder sorgenden bzw. tragenden Gemeinschaften, die auf Unterstützungsbereitschaft und Solidarität aller Generationen setzen (vgl. Kricheldorff 2013) sowie die Notwendigkeit bürgerschaftlicher Beteiligung. Damit eng verknüpft ist der Fachdiskurs um die Potenziale des Alters und einer Ermöglichungskultur, die älteren Menschen neue Rollen und gesellschaftlich nützlich Aufgaben eröffnen soll.

Die Rolle der Geragogik, die dabei mit ihren spezifischen Bildungs- und Beratungsansätzen in den Blick gerät, soll in dem Symposium aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und kritisch diskutiert werden.

Beiträge im Symposium:

1. Cornelia Kricheldorff, Freiburg
Beratung und Bildung im Kontext von Bürgerbeteiligungsprozessen

2. Hartmut Wolter, Göttingen
Prozessmoderation auf dem Dorf

3. Ines Himmelsbach, Freiburg
Altern im ländlichen Raum – Bedarfe für Bildung und Beratung

4. Vera Gallistl/ Anna Wanka, Wien
Bildungsberatung in Österreich

12:00

C. Kricheldorff
Insitut für Angewandte Forschung und Entwicklung, Katholische Hochschule Freiburg, Freiburg;

S18-11-01 

Beratung und Bildung im Kontext von Bürgerbeteiligungsprozessen

Hintergrund: Im Mittelpunkt des Beitrags stehen die Erfahrungen und Ergebnisse einer 2-jährigen Modellprojekts, im Auftrag des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bestand das zentrale Ziel des Projekts darin, das Konzept des Pflegemix, also der engen Verknüpfung von unterschiedlichen Ressourcen in koordinierten Pflegesettings vor Ort, zur Sicherung der Pflege in den Kommunen, auf den Weg zu bringen und damit das Fundament für Lokale Verantwortungsgemeinschaften zu schaffen. Dafür wurden vier Modellkommunen ausgewählt, die für typische Demografieprofile im Land stehen. Im Rahmen des Modellprojekts „Pflegemix in Lokalen Verantwortungsgemeinschaften“ sollten in diesen Kommunen neue Prozesse zur Förderung von intergenerationeller Solidarität und Bürgerbeteiligung initiiert und begleitet werden. Bildungsprozesse und spezifische Beratungsansätze waren dabei tragende Elemente.

Methodik: Neben Haushaltsbefragungen, im Sinne von aktivierenden Zugängen zu Bürgerinnen und Bürgern, wurde mit vielfältigen Methoden gearbeitet, unter anderem mit Experteninterviews, Planungswerkstätten, Runden Tischen, Arbeitskreisen sowie Stadtteil-und Gemeindebegehungen.

Ergebnisse: Neben strukturbildenden Teilergebnissen in den Modellkommunen wurde zum Projektabschluss ein „Handbuch für Kommunen“ entwickelt, das nun landesweite Verbreitung in den Kommunen, aber auch bei Verbänden und politisch Verantwortlichen findet und auch über die Landesgrenzen hinaus wichtige Impulse liefert.

Implikationen: Die Erfahrungen im Projekt zeigen deutlich die Relevanz von Bildung und Beratung im Kontext von Bürgerbeteiligungsprozessen auf und verweisen auf die Notwendigkeit gerontologischer Expertise in diesem Feld.

12:20

H. Wolter
Freie Altenarbeit Göttingen e.V. , Göttingen;

S18-11-02 

Prozessmoderation auf dem Dorf - Curriculum Dorfmoderation Südniedersachsen

Hintergrund: Innerhalb des vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderten dreijährigen Modellprojekts "Engagiert und qualifiziert - Mobile sozialraumorientierte Wohnberatung" (2012 -2014) hat die Freie Altenarbeit Göttingen e.V. das Curriculum "Dorfmoderation Südniedersachsen" entwickelt. Die Fortbildung richtet sich an freiwillig Engagierte, die partizipative Prozesse im ländlichen Raum zur Verbesserung der Wohn- und Lebensqualität initiieren wollen. Die sich zunehmend abzeichnenden Auswirkungen der Veränderungsprozesse in Familien- und Gesellschaftsstrukturen lassen den Bedarf an neuen biografie-, sozialraum- und demografieorientierte Beratungs- und Bildungskonzepten erkennen, die in besonderer Weise auf den ländlichen Raum ausgerichtet sind.

Methodik: Im Fokus stehen die Aktivierung vorhandener Ressourcen und Potenziale sowie die Gestaltung von Netzwerken zur Selbsthilfe und Selbstversorgung. Mit der Verknüpfung von Bildung, Begleitung und Beratung werden praxisnahe und an den Kompetenzen der Menschen orientierte Konzepte für die Dorfmoderation entwickelt und erprobt. Im Mittelpunkt steht in diesem Kontext die Moderation der Dorfversammlung, die als kontinuierliches Angebot und zentraler Treffpunkt die Identität mit dem Sozialraum fördert. Ergebnisse: Seit 2013 sind Dorfmoderatoren/innen in Südniedersachsen entweder an ihrem Wohnort (interne Moderation) oder auf Anfrage als externe Moderatoren in einem anderen Dorf tätig. Eine besondere Herausforderung liegt in der Herstellung und Förderung der Akzeptanz der Dorfmoderatoren durch die Verantwortlichen der Kommunalpolitik.

Implikationen: Das Projekt „Engagiert und qualifiziert“ und insbesondere das Curriculum Dorfmoderation wurde maßgeblich von Prof. Peter Alheit, bis 2013 Vereinsvorsitzender der Freien Altenarbeit Göttingen e.V., mit konzipiert, wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Die inhaltliche als auch methodische Ausrichtung des Projekts orientierte sich wesentlich an den Forschungsergebnissen und Expertisen zur Biographizität nach Alheit.

12:40

I. Himmelsbach
Soziale Gerontologie, Katholische Hochschule Freiburg, Freiburg;

S18-11-03 

Altern im ländlichen Raum – Bedarfe für Bildung und Beratung

Vor dem Hintergrund aktueller Debatten zum Thema Bildung und Beratung im Alter und der der sich verstärkenden Auseinandersetzung mit Altern im ländlichen Raum beleuchtet der Beitrag Forschungsdesiderate und Spezifika von Bildung im Alter für den ländlichen Raum. Dabei gilt es einigen Fragen nachzuspüren:
- Benötigt Altern auf dem Land spezifische Konzepte von Bildung und Beratung?
- Welche ländlichen Infrastrukturen lassen sich unterscheiden und was bedeutet dies für Bildung und Beratung?
- Wer wird beraten im ländlichen Raum? Kommunen, ältere Menschen selbst oder alle Generationen? Altern in ländlichen Räumen ist sehr heterogen und vielschichtig. Der Beitrag beleuchtet an-hand von demografischen Daten, geografischen Übersichten unterschiedliche Problemlagen des Alterns im ländlichen Raum und die Konsequenzen nicht nur für Ältere selbst, sondern für alle Generationen. Diesen Mustern werden aktuelle Diskurse von Bildung und Beratung zugeordnet und die Heterogenität im Hinblick auf bspw. sorgende Gemeinschaften, aber auch der Notwendigkeit der Stärkung von (professionellen) Infrastrukturen zugeordnet. Der Beitrag versteht sich als überblicksartige Analyse aktueller Debatten, aber auch konkreter Projekte und will zur Diskussion in der Vielfalt von Notwendigkeiten und Lösungsvorschlägen beitragen.

13:00

A. Wanka; V. Gallistl
Institut für Soziologie, Universität Wien, Wien/A;

S18-11-04 

Beratung in der nachberuflichen Phase – Chancen und Herausforderungen eines neuen Angebots im Sozialraum

Titel des Symposiums: „Bildung und Beratung im Sozialraum und Quartier“

Hintergrund. In einer postmodernen Gesellschaft werden Alter und Altern entwicklungsoffene, gestaltungsfähige Begriffe. Diese individuelle Gestaltung der dritten, nachberuflichen Lebensphase eröffnet nicht nur Möglichkeiten im Rahmen einer „späten Freiheit“, sondern stellt auch Anforderungen an die Selbstverantwortlichkeit für Entwicklungserfolge und -misserfolge sowie die Bearbeitung von biographischen Übergängen. Nachberufliche Beratung und Begleitung kann vor diesem Hintergrund Unterstützung anbieten, ist allerdings gleichzeitig ein bislang unerforschtes Feld.

Methodik. Das österreichische Forschungsprojekt „Nachberufliche Bildungsberatung“ (2013) untersucht Gestaltungsmöglichkeiten von nachberuflicher Beratung. In einer explorativ-hypothesengenerierenden Phase wurden 15 problem-zentrierte Interviews mit ExpertInnen und PraktikerInnen im Bereich Bildung und Beratung Älterer, sowie vier teilstrukturierte Interviews mit Personen in der nachberuflichen Phase geführt. Die Hypothesen wurden in einer konfirmatorisch-quantitativen Phase durch standardisierte Telefoninterviews mit Personen zwischen 55 und 75 Jahren getestet (n=705).

Ergebnisse. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Nachfrage nach Angeboten nachberuflicher Bildungsberatung besteht, verschiedene Zielgruppen jedoch unterschiedliche Vorstellungen davon haben, wie diese Angebote gestaltet sein sollen. Nicht nur Bildungsbiographie und sozialer Status, sondern auch sozialräumliche Milieus beeinflussen Nachfrage und Gestaltungswünsche. Besonders im ländlichen Raum besteht Nachfrage nach einer Beratung, die sich Fragen des Alltags und der Lebensgestaltung widmet und diese Fragen zum Anlass nimmt, informelle und non-formale Bildungsprozesse anzustoßen.

Implikationen. Bildungsberatung für die heterogene Lebensphase Alter muss mit heterogenen Ansprüchen und Wünschen verschiedener Zielgruppen umgehen können. Für Beratungsangebote, die einem sozialräumlichen Ansatz folgen, werden praktische Implikationen - Wünsche der Zielgruppe an Beratungsthemen, didaktische Ausgestaltung (z.B. Einzel- & Gruppenberatung, Rolle der Beratungsperson) sowie Möglichkeiten und Räume der Ansprache – aus dem österreichischen Kontext vorgestellt und diskutiert.

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